Bundesebene Geistlicher Impuls

Ein Miteinander

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte anlässlich des 500jährigen Reformations-Jubiläums

Ökumene – in neutestamentlicher Zeit bezeichnet das griechische Wort die gesamte bewohnte Welt, den Erdkreis.

Ökumene – im Verlauf der Jahre ist uns der Inhalt immer vertrauter geworden. Das Anliegen, das dahintersteht, ist uns zur Herzenssache geworden; so scheint es wenigstens, wenn man an die vielen Absichtserklärungen denkt, die sich ökumenisch nennen. Die christlichen Konfessionen stehen sich nicht mehr distanziert, misstrauisch oder sogar feindlich gegenüber. Wir haben uns aufeinander zu entwickelt, Fortschritte gemacht auf dem Weg zur Einheit im Glauben.

Dennoch erleben wir, dass es oft bei freundlichen Gesten bleibt. Wir leben Seite an Seite, aber ist das ein echtes Miteinander?

In diesem Jahr und besonders an diesem Tag fragen wir nach dem Schwung in der Ökumene.

Es gibt vielfältige Zusammenarbeit im konkreten Gemeindeleben. Aber ist das mehr als eine gegenseitige Einladung? Wir wissen, dass unser gemeinsames ökumenisches Tun, die Botschaft von dem einen Gott und Vater glaubwürdig verdeutlichen muss. Wir brauchen ein Sprechen und Tun in Liebe, Eintracht und Versöhnung um andere zu überzeugen.

Die Zersplitterung hat im Abendland begonnen. Zuerst trennten sich Ost- und Westkirche; dann kam es zum Bruch zwischen Katholiken und Protestanten. Im evangelischen Bereich existieren heute zahllose Freikirchen. Der Apostel Paulus hat sich vorgestellt: ein Geist, eine Berufung, eine gemeinsame Hoffnung, ein Glaube, eine Taufe.

Wir müssen den Auftrag, der uns aus dem Evangelium erwächst, ernst nehmen. Ökumene ist kein Angebot neben anderen, sondern fest gelebtes Miteinander der Christinnen und Christen. Zu den eindrucksvollsten Texten des Johannesevangeliums gehört das „hohepriesterliche Gebet“ Jesu. Darin spricht er sozusagen seinen letzten Willen aus: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein ... vollendet in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“! (Joh 17 , 21.23).

Wir alle sind dazu aufgerufen, an Gottes Reich mitzuarbeiten. Das können wir nicht nur mit Worten tun. Wir können viel praktische Arbeit leisten; sie ist oft mühevoll und unspektakulär; wir erleiden immer wieder Rückschläge, müssen Widerstände in uns selbst und in unserer Umwelt überwinden. Aber die notwendigen Schritte sollten wir miteinander tun. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Ökumene plötzlich ‘funktioniert‘, sobald man ein gemeinsames Ziel vor Augen hat: Wenn z. B. katholische und evangelische Jugendliche eine Friedensaktion planen, wenn benachbarte Kirchengemeinden oder Kolpingsfamilien Projekte für die Eine Welt durchführen. Auch ökumenische Akzente im Gebet und Gottesdienst sind wichtige grundlegende Aufgaben. Gemeinsam planen, arbeiten und beten und sich näher kommen, vom anderen lernen.

Es gibt genug Aufgaben, die wir gemeinschaftlich in Angriff nehmen könnten.

Unsere Glaubensüberzeugung und unser soziales Engagement lebt aus der einen Botschaft - der gemeinsamen Hoffnung, die uns verbindet. Die Welt – und wir selbst – brauchen diese Hoffnung. Wir dürfen sie ihr nicht vorenthalten.


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