Bundesebene Geistlicher Impuls

Ein großer Heiliger

Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte weist auf ein "Gespräch" mit dem Heiligen Josef hin.

Der Heilige Josef ist der Patron des Kolpingwerkes. Der Schriftsteller Hermann Multhaupt hat als Reporter ein "Gespräch" mit ihm geführt. Es ermöglicht uns einen Blick in die Tiefen einer großen Persönlichkeit, eines großen Heiligen: 

Josef als Patron des Kolpingwerkes gilt als Mann des Vertrauens, als Beschützer der Arbeiter und Helfer der Arbeitslosen, als Gefährte unserer Hoffnung und Begleiter in schweren Stunden. Was würde der HI. Josef auf unsere Fragen antworten, wenn wir ein Interview mit ihm führen würden?

Reporter: Josef von Nazareth, wenigstens einmal im Jahr, nämlich zu Weihnachten, kommen Sie wieder ins Gespräch. Da entsinnt man sich Ihrer. Sonst ist das ganze Jahr über kaum von Ihnen die Rede. Schmerzt Sie das nicht ein wenig?
Hl. Josef: Warum sollte es mich schmerzen? Es gibt so viele Menschen heutzutage, die Aufhebens von sich machen, die im Rampenlicht stehen wollen, die ein ungeheures Geltungsbedürfnis an den Tag legen - da möchte ich nicht mithalten.

Reporter: Immerhin sind Sie der Schutzpatron der gesamten Kirche. Dazu hat Sie Papst Pius IX. im Jahr 1870 erhoben. Wer denkt noch daran?
Hl. Josef: Ich sehe es denen nach, die mich ein wenig vergessen haben. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Menschen. Ich gebe zu, dass es mich immer gefreut hat, dass man mich früher am 1. Mai als Patron der Arbeiter angesprochen und mich um Hilfe gebeten hat. Heute ist das weitgehend ein Ausflugstag, und Freizeit wird in Ihrer Gesellschaft ja bekanntlich großgeschrieben.

Reporter: War es nicht Papst Pius XII., der am 1. Mai 1955 - also vor gar nicht so langer Zeit - das Fest "Josef der Arbeiter" für die gesamte Kirche einführte? Der 1. Mai sollte gleichsam die christliche Weihe empfangen und nicht vordergründig zum politischen Reizklima beitragen.
Hl. Josef: Der 1. Mai war einst ein Kampftag, richtig. Es ging ja immer um aktuelle Probleme, um mehr Rechte für den Arbeitnehmer, um sozialen Frieden.

Reporter: Immerhin kannten Sie die Familiensituation aus eigener Anschauung und wussten, wo ihr der Schuh drückte!
Hl. Josef: Zu meiner Zeit lagen die Dinge zwar etwas anders, aber Familie ist Familie, das ist richtig. Und Sorgen um die meine habe ich weiß Gott gekannt.

Reporter: Weiß Gott, ja. Sie besaßen ja immerhin einen guten Ruf, HI. Josef, und die Offenbarung, dass Ihre Verlobte Maria ein Kind empfangen sollte, das nicht von Ihnen war, dürfte Sie wohl umgehauen haben, oder?
Hl. Josef: Das kann man wohl sagen. Ich wusste im Augenblick nicht, wo mir der Kopf stand und was ich tun sollte.

Reporter: Ich denke, Sie haben das Richtige getan und "ja" zur Situation gesagt. Hatten Sie nicht auch die Absicht, Maria aufzugeben und zu verlassen?
Hl. Josef: Ich gebe zu, dass ich eine kleine Weile diesen Gedanken hegte. Aber dann kam die Erkenntnis so deutlich über mich - wie ein göttlicher Fingerzeig sozusagen - dass ich mich meiner Eigenliebe schämte und ein klares Bekenntnis zu Maria und dem Kind abgab, dass sie unter ihrem Herzen trug.

Reporter: HI. Josef, Betlehem war eine Sternstunde in Ihrem Leben, aber auch eine Stunde der Not.
Hl. Josef: Die größte Not war, dass ich meiner Familie kein eigenes Dach über dem Kopf bieten konnte. Die Geburt in einer Notunterkunft, gleichsam am Rande der Gesellschaft, zwischen Außenseitern - die Lage musste ich erst verkraften. Aber größer war das Geschenk dieses einmaligen Kindes, das von Gott kam und Gott ist! Ich war glücklich, schlichtweg glücklich.

Reporter: Sie erwähnten die Notunterkunft, die Situation am Rande der Gesellschaft. Hat sich eigentlich viel seither geändert, wenn Sie unsere Welt betrachten?
Hl. Josef: Im Grunde nicht. Ich sehe viele Flüchtlinge, Ausgestoßene und Menschen, die niemand will. Die politische Lage ist fast gleich: Damals verfolgte Herodes das Kind und seine Eltern, heute gibt esVerfolgungen in vielen Ländern der Erde, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Reporter: Wäre dieses vergleichbare Erlebnis - die Flucht nach Ägypten, das Leben in einem fremden Land, die Existenzgründung unter fragwürdigen Vorzeichen - nicht dazu angetan, wieder viel mehr auf Sie zu blicken? Sie haben Ihre Lage seinerzeit gemeistert, und Ihr Beispiel könnte doch Schule, zumindest Mut machen.
Hl. Josef: Ich würde mich freuen, wenn ich Mut machen könnte. Aber sehen Sie, auf fast allen Bildern, die die Öffentlichkeit sich von mir gemacht hat, stellt man mich als älteren, wenn nicht alten Mann dar. Das Alter aber zählt in Ihrer Gesellschaft nicht. Ich bin für sie also nicht sonderlich attraktiv - als Vorbild, als Patron. Was sollte ich in Ihren Augen noch bewirken können?

Reporter: Sie fühlen sich im Leben der Christen zu wenig beachtet?
Hl. Josef: Ich habe mich immer als Werkzeug empfunden, so wie ich als Handwerker mit Werkzeugen umzugehen verstand. Gott hat mich in seine Hand genommen und etwas bewirkt. Als das Werk vollendet war, war ich nicht mehr nötig.

Reporter: Klingt das nicht ein bisschen bitter? Sind Sie enttäuscht?
Hl. Josef: Nein, ganz und gar nicht. Man sollte sich nicht so wichtig nehmen, aber die Aufgaben, die einem im irdischen Leben gestellt werden, mit ganzer Kraft und mit Freude zu erfüllen suchen. Gott begleitet uns dabei.

Reporter: Und Sie, Hl. Josef?
Hl. Josef: Ich stehe gern für die ein, die mich brauchen: die Familien, die Arbeiter, Handwerker, Zimmerleute, die Wohnungslosen, die Verzweifelten, auch die Sterbenden. Und nicht zuletzt auch für die Totengräber oder Bruderschaften und Ordensgemeinschaften, die meinen Namen wählten.

Reporter: Hl. Josef, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.