Bundesebene Geistlicher Impuls

Das Zeichen der Fußwaschung

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Gründonnerstag

Am Ende der Erzählung von der Fußwaschung Jesu an seinen Jüngern steht die Frage: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Mit dieser Frage geht es Jesu nicht darum, die zumindest für uns etwas peinliche, ja fast komische Szene der Fußwaschung zu erklären. Jesus will kein Beispiel vorbildlicher Bescheidenheit oder orientalischer Höflichkeit geben. Die Fußwaschung ist vielmehr eine schockierende Geste, die aufmerksam machen, die zum Nachdenken über Jesus und sein Lebenskonzept anregen will. Er hat die Absicht, vor seinem gewaltsamen Tod noch einmal seinen Jüngern zu sagen, wie er sein Leben verstanden hat, wie er seinen bevorstehenden Tod verstehen möchte: als Dienst an seinen Mitmenschen, als Hingabe seines ganzen Lebens für andere.

Jesu Lebenskonzept ist auch ein Sinnangebot für uns, ein Angebot, wie man Leben verstehen kann bis hinein in den Tod, diese letzte Infragestellung des Lebens.

An eine solche Sinngebung des Lebens zu glauben, ihr zu vertrauen, fällt nicht leicht. Vermutlich kann man es nur im Anschluss an Jesus. Er ist der Garant dafür, dass dieses Lebenskonzept nicht gleichbedeutend ist mit Selbstaufgabe. Nicht aus der eigenen Schwäche heraus hat er zu diesem Lebensverständnis gefunden, sondern im Bewusstsein dessen, was er war. Nicht ein Held ist er gewesen, der erhobenen Hauptes unterging, vielmehr hat ihn sein Gott und Vater zu größerem Leben erweckt, das auch seinen Brüdern und Schwestern eröffnet ist. Den Anschluss an ihn finden wir ja gerade in jenem Mahl, das er im Schnittpunkt seines Lebens und Sterbens gestiftet hat. Dieses Mahl fügt mich als Glied in den auferstandenen Christus ein. Weil ich Anteil habe am Leben des auferstandenen Christus, deshalb verliere ich nichts an Leben, wenn ich mein Leben verstehe im Dienst für andere. Nicht nur heute, da wir Jesu Mahl feiern und die sein Lebensverständnis symbolisierende Fußwaschung nachvollziehen, sondern immer, wenn wir sein Mahl halten, wird uns diese Frage gestellt: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

Die Antwort darauf wird unser Leben sein.

 

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