Bundesebene Geistlicher Impuls

Das Mahl Gottes findet statt

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 28. Sonntag im Jahreskreis

Zunächst empfinde ich dieses Gleichnis als sehr tröstlich: Das Mahl Gottes findet statt. Gott lässt sich nicht beirren. Menschen können sich davon ausschließen, aber sie können das Mahl Gottes nicht verhindern.  Dies ist eine wichtige Botschaft der Hoffnung für uns. Ich habe den Eindruck, dass viele heute müde geworden sind. Sie trauen Gott und seinen Verheißungen nichts mehr zu: Für sie hat alles keinen Zweck. Kirche hat so viele Fehler. Der Glaube wird immer blasser. Wir kommen doch nicht weiter. Warum denn noch als einzelner in der Familie durchhalten? Warum sich am Arbeitsplatz von anderen deswegen schief ansehen lassen? Die anderen haben ja Recht, die sich schon abgewandt haben… So durchzieht Resignation und Desinteresse unser Land. Die Glaubenskraft vieler wird langsam, oft fast unmerklich aufgezehrt. Wir vergessen den Glauben und verdrängen Gott aus unserem Leben. Jesus lädt uns ein, uns nicht irritieren zu lassen. Das Mahl Gottes findet statt, und wir sind eingeladen.

Es kommen neue Gäste.

Sie haben nicht damit gerechnet eingeladen zu werden. Als Gäste waren sie nicht vorgesehen. Eine merkwürdige Gesellschaft, die da zusammenkommt: Gute und Böse. Eins haben sie gemeinsam, auf eines nur kommt es an: Sie lassen sich beschenken.

Es gibt ja nicht nur Erfahrungen, die zur Resignation verleiten. Es gibt ja auch Menschen, Christinnen und Christen, Frauen und Männer, die mir Mut machen. Jeder von uns kennt glaubende Menschen, an deren Glauben er sich orientiert, bei denen er lernt, was glauben heißt, mit denen zusammen er nur glauben kann. Es ist wichtig, dass da viele sind, die solche Einladungen von Gott überbringen. Jeder und jede von uns kann für andere zum Einladenden werden, kann ihn mitnehmen zum Mahl. So vertraut uns Gott einander an. Jeder ist eingeladen und darf die Einladung selber an andere weitergeben. Denn es geht darum, dass wir gemeinsam den Weg zu Gott finden.

Aber es ist auch möglich, dass ich die Einladung ablehne, wie das Evangelium sagt. Damals hat Jesus dieses Gleichnis zu den Juden gesprochen. Sie waren die Erstgeladenen. Als sie ablehnten, ging die Einladung an die Hecken und Zäune weiter, an die Heiden, schließlich an uns. Aber könnte sich dasselbe nicht wiederholen? Dass wir die Erstgeladenen sind und ablehnen?

Warum lehnen die Erstgeladenen eigentlich ab? „Sie gingen fort, der eine auf den Acker, der andere in seinen Laden.“ Die Einladung störte sie also bei ihren Alltagsgeschäften. Über ihren kurzfristigen Interessen schlugen sie die langfristige Ausrichtung ihres Lebens aus. Es gibt Wichtigeres! Sind wir da nicht ganz nah in unserer Zeit? Das erinnert mich an Menschen, die nur ihren Beruf im Auge haben und deren Familie darüber zerbricht; die nur ihr eigenes Haus sehen und nicht den Nachbarn, der sie braucht. Die nur das Negative sehen und darüber den Glauben nicht zulassen; die sich damit abgefunden haben, dass unsere Welt nach Geld und Macht schaut und die Opfer nicht sehen wollen; die nur die eigene Sicherheit sehen und nicht jene, auf deren Kosten sie leben.

Ja, es scheint auch solche zu geben, die die Boten heute erschlagen mit Worten, mit Häme, weil die Botschaft sie stört in ihrer Geschäftigkeit, ihrer Macht. Da will man nicht gestört werden.

Wo finden wir uns wieder in diesem Gleichnis? Wo finde ich mich? Ich glaube, ich trage etwas von allen in mir: Ich bin der von Gott Eingeladene, von den Hecken und Zäunen geholt, beschenkt nicht wegen eigener Verdienste, wegen Rang und Ansehen. Ich bin – vielleicht – hoffentlich – auch sein Bote, der andere einlädt mitzukommen. Ich bin aber auch derjenige, der seine Einladung immer wieder ablehnt, den seine Einladung stört, der sich gut hier eingerichtet hat und unbehelligt von weitergehenden Forderungen des Evangeliums leben will. Die Trennlinie geht mitten durch mich hindurch. So können wir die Einladung des heutigen Evangeliums hören, damit wir aufhorchen und Mut fassen, damit wir getrost unterwegs bleiben miteinander, trotz aller Versuchung zur Resignation. Wir brauchen dazu einander, weil jeder einzelne an seiner Stelle eben oft alleine ist.

So kommen wir zum Anfang zurück: Das Mahl findet statt. Gott findet auch seine Gäste. Wir dürfen dazugehören, wenn wir wollen, jetzt und endgültig.


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