Geistlicher Impuls Bundesebene

Brief an Maria

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu "Mariä Himmelfahrt"

Am heutigen Festtag, Mariä Aufnahme in den Himmel, oder wie wir oft sagen "Mariä Himmelfahrt", schreibe ich einen Brief an Maria.

Liebe Maria,

viele Gemeinden feiern heute dir zu ehren Namenstag. Sie tragen deinen Namen: St. Mariä Himmelfahrt. Auch wir feiern mitten in der Woche deinen Festtag, ein Hochfest!

Du lebst im „Himmel“, was heißt das? Vielleicht dies: Die Urkraft allen Lebens, die wir Christen Gott nennen, hat dich in deiner Ganzheit zu sich zurückgenommen. Alles, was dein Leben ausgemacht hat, lebt jetzt in seinem Wesen, ist in seiner Liebe gehalten. Alles, was dein Leben hier in dieser Welt gewesen ist, was du getan und gelassen hast, wird von ihm bewahrt. Nichts lässt er verloren gehen. So hat er dein Leben geheiligt.

Das glaube ich, ohne es letztlich beweisen zu können. Es ist so unendlich schwer, von dem zu sprechen, was nicht ins Wort genommen werden kann, weil alles, was mit Gott zu tun hat, ja immer viel, viel größer, weiter, tiefer oder höher ist, als ich es mir je vorstellen kann.

Um dich und dein Leben feiern zu können, muss ich dich kennen. Wenig nur wird in der Bibel von dir erzählt. Vieles wurde in den Jahrhunderten von den Menschen in dich hineingedacht. Dabei wurdest du vielfach so erdenfern entrückt. Aber dein Leben darf nicht nur im Himmel bewahrt bleiben. Es muss auch hier bei uns Anbindung finden. Hier, in meinem, in unserem Leben muss dein Menschengesicht zu erkennen bleiben. Und hier sehe ich dich auch:

Ich sehe dich in den vielen Mädchen und Frauen, die ein Kind erwarten. Die um ein Ja zu diesem Kind kämpfen und menschliche, gesellschaftliche und finanzielle Hilfe benötigen. Mädchen und Frauen, die sich zu einem Ja zum Kind durchringen. Oftmals ohne zu wissen, wie sehr sich ihr Leben verändern und die Verantwortung drücken wird.

Ich sehe dich in den vielen Müttern und Vätern, die um ihre Kinder bangen, weil ihre Kinder die Werte ablehnen, die sie ihnen als Eltern vermittelt haben, weil sie ihren Lebensweg so ganz anders gehen und sich manchmal auch so an den Rand der Gesellschaft und des Lebens bringen. Diese verzweifelten Mütter und Väter dürfen dann keinen Rat mehr geben, ihren Schutz nicht mehr anbieten.

Ich sehe dein Gesicht, Maria, in den Eltern- und Menschengesichtern, die hilflos an den Krankenbetten ihrer Kinder oder ihrer Lieben ausharren. Die mit ihnen die Schmerzen der tödlichen Krankheit aushalten und ihr Sterben mit ihrer Liebe begleiten.

Maria, ich sehe in dir eine starke Frau, die durch ihre Mutterschaft zur Mitschöpferin wurde. Eine Frau, die vertrauen konnte, auch wenn ihr nicht alles verständlich war, was geschah. Eine Frau – und das Maria möchte ich in dich hineindenken – eine Frau, die Mut, Weinen und Lachen, Bedürftigkeit, Geborgenheit und Liebe in ihrem Leben kennengelernt und erfahren hat.

Wie sehr hast du eigentlich gespürt, dass und wie Gott in dir leben will und was er dir zutraut und zumutet? Dein Lied: „Meine Seele preist die Größe des Herrn…“ (Lk 1,46) ist heute noch genauso aktuell wie damals. Es geht uns alle an. Wir müssen lernen, es in unserem täglichen Tun und Lassen weiter zu singen, wenn wir dir zu Ehren diesen Festtag feiern.

Liebe Maria, du darfst nicht mit allem, was dein Leben ausgemacht hat, allein im „Himmel“ bleiben. Deine Größe muss hier bei uns gewünscht sein und gelebt werden dürfen von starken und liebesmutigen Frauen, die heute für das Leben und den Glauben an die Urkraft des Lebens eintreten.

Wenn ich so nachdenke, dein Menschengesicht so zeichne, Maria, dann bist du hier auf unserer Erde immer noch lebendig. Das macht mich froh, Maria. So grüße ich dich, erdennah und himmelfern zugleich, und danke dir von Herzen für dein Lebens- und Glaubenszeugnis.

 

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Bild: pixabay.com