Geistlicher Impuls

Außen hui, innen pfui?

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Wir kennen den Unterschied zwischen einem Optimisten und einem Pessimisten. Ein Optimist ist einer, der an das Gute glaubt. Wenn das Wetter schlechter ist, sagt er: „Morgen wird`s besser.“ Der Pessimist dagegen glaubt immer an das Schlechte. Er klagt und jammert ständig: Alles ist für ihn böse und gefährlich.

Ich denke, als Christinnen und Christen dürfen wir Optimisten sein. Wir sehen zwar, dass es in der Welt viel Böses gibt, aber wir sind fest davon überzeugt: Das letzte Wort hat Gott. Er will eine gute und glückliche Zukunft für uns.

Das Sprichwort „Außen hui – innen pfui!“ ist uns vertraut. Man sagt so, wenn etwas gut aussieht, aber doch wertlos ist. Außen hui und innen pfui! Darüber könnten wir viele Beispiele erzählen, zum Beispiel von Freundschaften, denen Ehrlichkeit fehlt. Von Täuschungen und Oberflächlichkeiten. Vielleicht erinnern wir uns aber auch an manche Menschen, von denen wir beim ersten Treffen dachten: Das ist aber ein komischer Typ. Aber nach einiger Zeit merkten wir, was für ein guter Mensch das ist. Jesus erzählt von einem Vater, der zwei Söhne hat. Vom ersten könnte man auch sagen: 'Außen hui – innen pfui!' Er macht seinem Vater Versprechungen: „Ja, ich helfe dir! Ich gehe in deinen Weinberg zum Arbeiten.“ Aber dann hat er keine Lust und geht nicht.

Der andere Sohn sagt: „Ich will nicht arbeiten!“ Natürlich ist der Vater sehr enttäuscht. Der Sohn merkt es. Weil er seinen Vater gern hat, denkt er im Stillen darüber nach, was er gemacht hat. Um dem Vater zu zeigen, wie sehr er ihn liebt, geht er dann doch in den Weinberg und arbeitet. Für ihn gilt unser Sprichwort umgekehrt: Außen pfui – innen hui!

Jesus sagt: Manche machen es wie der erste Sohn – große Worte, aber nichts dahinter. Und dann sagt Jesus zu uns: Es geht aber auch anders, wie beim zweiten Sohn.

Wir müssen uns hüten vor einem "Ja", wie es der erste Sohn spricht. Es ist ein Lippenbekenntnis, hinter dem nichts steckt. Gott weiß, wenn wir den treuen Sohn nur spielen; er sieht uns ins Herz. Und da ist ihm der reuige Sünder lieber als der Selbstgerechte, der sich hinter einem falschen "Ja" verschanzt, so dass Gottes Liebe ihn nicht erreichen kann.

So macht der Herr denen, die umkehren, Mut. Er hilft uns, wenn wir uns immer wieder verstricken und um uns selbst kreisen. Sofern wir unsere Augen öffnen, erreicht uns immer wieder ein Wink von ihm. Ein Wink, der uns bis ins Herz treffen und verändern kann.

So sagt Gott sein Ja zu uns. Ja – er, unser Gott. 


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