Geistlicher Impuls Bundesebene

Aufbruch zum Leben

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Nicht selten hören wir,  dass es mit unserer Welt immer mehr bergab gehe. Folgende Argumente werden dabei besonders genannt: Der Hunger weitet sich aus, das Gefälle zwischen Nord und Süd wächst, die Unterschiede zwischen reichen und armen Nationen verschärfen sich.

Die Medizin macht zwar erstaunliche Fortschritte, aber bei den Krankheiten scheint es ebenso. Kaum ist ein Heilmittel für eine Krankheit gefunden, zeigt sich eine neue, unheilbare Krankheit am Horizont.

Unser Zusammenleben ist durchsetzt mit Hass, Gewalt und Terror; sie schaffen eine tödliche Bedrohung. Aber all das Gesagte ist uns schon so sehr bekannt, und unsere Ohnmacht ist so offenkundig, dass wir eher resigniert abwinken. Wir brauchen Mut und Zuversicht und Hoffnung in unserer Zeit.
Damals war Petrus ein solcher Hoffnungsträger.

Der Weg des Petrus zu diesem Bekenntnis allerdings, sein Weg zum furchtlosen Zeugnis vor den Vielen ist keineswegs gradlinig verlaufen. Es war kein einfacher Weg für Petrus; denn vor Ostern liegt die Karwoche, und die war gar nicht triumphal. Nicht der Sieger Petrus steht vor den Menschen, nicht einer, der es schon immer gewusst hat und der jetzt recht behalten hat; es ist der Sieg eines anderen, und Petrus ist dafür Zeuge. Er kann nicht anders, er ist überwältigt von den Ereignissen.

Petrus muss es zunächst einmal selber fassen, dass er jetzt vor den Menschen steht und von etwas berichtet, für das ihm eigentlich die Worte fehlen. Nicht nur, dass ihm sein Versagen in den vergangenen Tagen den Mund verschließen müsste; das Geschehen mit Jesus selbst verschlägt ihm die Sprache. Gott jedoch tut ihm den Mund auf, er ist es, der ihn zum Sprechen bringt.

Diese Gedanken umfassen die Predigt des Petrus:

  • Jesus von Nazareth ist die Mitte aller Weissagung der Schrift; alle Propheten sind Zeugen seines Weges.
  • Gott selbst ist in ihm der Handelnde, er trägt und beglaubigt Jesu Leben und lässt Jesus nicht im Tod.
  • Menschen wollten Jesus zum Messias machen; als er dies ablehnte, warfen sie ihm vor, er habe sich selbst dazu gemacht; Gott jedoch war es, der ihn dazu gemacht hat.

Petrus führt keinen logischen Beweis. Er spricht von der Auferstehung Jesu; davon, dass er den, der tot war, als Lebenden erfahren hat. Er ist die begeisterte Unlogik des Glaubens.

Petrus selbst ist ein Auferweckter. Wie die übrigen Jünger ist er aufgewacht aus der Erstarrung, in die der Tod Jesu und das eigene Versagen in dieser kritischen Stunde ihn gebracht hatten. Er sagt: "Diesen Jesus hat Gott aufgeweckt, dafür sind wir alle Zeugen" (Apg 2,32). Petrus, die Jünger und viele Bewohner Jerusalems können zunächst bezeugen, dass Jesus von Nazareth wirklich tot war. Nun aber hat Gott diesen Tod nicht einfach wieder als einen Schönheitsfehler korrigiert. Es geht jetzt auch nicht nur seine Sache weiter: Jesus lebt! Das heißt, Gott hat sich zu ihm bekannt, zu seinem Leben und Sterben, und er hat dieses Leben nicht einfach im Tod gelassen.

Das Zeugnis der Jünger ist die Erfahrung, dass Gottes Liebe zu Jesus von Nazareth stärker ist als der Tod. Die Sicherheit zu diesem Zeugnis haben die Jünger nicht aus sich selbst, sondern sie ist ein Geschenk Gottes. 

Es stellt sich für uns die Frage nach dieser Botschaft vom Leben als einer Botschaft für unsere Zeit. Wir müssen zunächst einmal auf unsere eigenen Erstarrungen sehen. Wo sitzen sie bei uns? Ganz sicher gibt es solche in der Kirche; wir wünschen sie uns manchmal lebendiger und weniger kleingläubig.

Aber das ist es nicht allein. Es gibt einen Fortschrittsglauben in unserer Welt, der uns neues Leben verspricht und der uns glauben machen will, dass all das, was wir an Leid- und Todeserfahrungen mit uns tragen, wirklich nur Schönheitsfehler seien, die über kurz oder lang endgültig ausgemerzt werden könnten. Dazu bedürfe es dann keines Gottes und keiner Auferstehung mehr. Doch nur Gott ist der Garant des Lebens. Der Glaube stärkt unsere Gewissheit, dass die Welt nur vorläufig ist.

Diese Botschaft vom Leben für unsere Zeit steht auf gegen all die Missverständnisse, den Hass, die Gewalt, die Manipulation, den Populismus in unserer Zeit. Es ist die Botschaft der Wahrheit und der Echtheit, die Menschen verwandeln kann: Aus dem Glauben für die Welt. 

Was vermag unsere Erstarrung zu lösen? Ich sehe eine Antwort in der Möglichkeit, dass wir wieder anfangen, Gedanken der Hoffnung und des Lebens zu verbreiten.

Wenn wir inmitten des Argwohns und Misstrauens in unserer Welt zusammenkommen, dann bringt dies nicht der Zufall fertig, sondern es ist Gottes Geist, der uns in Jesu Namen zusammenführt. Es ist die Erfahrung des Lebenden. Er ist unter uns, wenn wir zusammen sind, er ist das gute Wort für unser Leben; und wir bringen dieses Wort der Welt in Erinnerung, wenn wir es leben. Unsere Welt braucht dieses Zeugnis, damit es heller, friedlicher, menschlicher wird.

In der Osterzeit erhalten wir diesen Mut, diesen neuen Blick für das Leben. Gott sei Dank.

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