Erklärungen

Werbung als Aufreger

Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden, sondern in den Herzen der Menschen.

"Es ist gut, dass sich der Unmut vieler Menschen gegen solche Werbeaktionen wie die des Media Markts richtet", freut sich Rosalia Walter. Sie leitet den Bundesfachausschuss "Kirche mitgestalten" des Kolpingwerkes Deutschland. Mit Christoph Mrosk habe sich jetzt auch der Leiter der Arbeitsgruppe Jugend & Kirche der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland zu Wort gemeldet. "Seinen lesens- und nachdenkenswerten Kommentar kann ich nur nachdrücklich zur Lektüre empfehlen", erklärt das Kolping Bundesvorstandsmitglied.

Hier also der Kommentar von Christopher Mrosk noch einmal im Wortlaut: Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden – sondern in den Herzen der Menschen.

Ein großer Elektronikfachmarkt wirbt in diesen Tagen mit dem Slogan "Weihnachten wird unterm Baum entschieden!" In dem Werbespot erleben wir, wie Menschen beim Auspacken hochwertiger Spielkonsolen und Smartphones, riesiger Flachbildfernseher und Musikanlagen vor Begeisterung ausflippen und in lautem Jubel ausbrechen. Die Perspektive des Kaufhauses ist klar: über das Glück und die Freude der Menschen und zuletzt das Gelingen des ganzen Weihnachtsfestes entscheidet allein, was sie sich leisten können und was unterm Baum liegt!

In Deutschland sind noch immer 15,6 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Für fast jeden sechsten Deutschen, besonders für Geringverdiener, Arbeitslose und Alleinerziehende wird es also in diesem Jahr sehr schwer werden, am Weihnachtsfest des Elektronikfachmarktes richtig teilzunehmen. Der Werbespot drängt diese Menschen geradezu in die Ecke, setzt sie unter Druck, und wenn sie mit dem Konsumverhalten der anderen nicht mehr mithalten können, werden sie an Weihnachten zu Verlierern. Weihnachten wird zum Fest des Geldes, des Konsums und des Wohlstandes. Wer es sich nicht leisten kann, der hat verloren!

Das steht im extremen Widerspruch zum Ursprung und der zentralen Botschaft dieses Festes. Vor 2000 Jahren wurde Jesus geboren. Als ein kleines und einfaches Kind armer Eltern kam Gott in diese Welt. Alles was er anzubieten hatte, war die Liebe und der Frieden, die von ihm ausgingen. Den Hirten von Bethlehem und den Weisen aus dem Morgenland, reichte das vollkommen aus. Sie kamen, um das Wunder zu sehen, was da in jener Nacht geschehen war. Gott wird Mensch und solidarisiert sich mit denen, die am Rand stehen. In einem Stall, in einfachsten Verhältnissen will er geboren werden und nicht im Glanz der königlichen Paläste. Auch wenn für viele Menschen Weihnachten heute ohne diesen religiösen Bezug auskommen muss, so war es doch auch für sie in den vergangenen Jahren noch immer das Fest der Liebe, des Friedens und der Familie und damit der eigentlich Botschaft sehr nahe.

Adolph Kolping sagte einst: "Das Glück der Menschen liegt nicht in Geld und Gut, sondern es liegt in einem Herzen, das eine wahrhafte Liebe und Zufriedenheit hat." Das galt in der Nacht von Bethlehem wie in der Zeit Adolph Kolpings und muss auch der Maßstab für das Weihnachtsfest von heute sein. Wenn wir zulassen, dass Weihnachten nur noch unterm Baum entschieden wird, dann haben wir uns weit von seinem Ursprung entfernt.Dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Botschaft von Liebe, Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt immer leiser wird und die sozialen Spannungen zunehmen. Widerstehen wir dieser Verfremdung des Weihnachtsfestes und sorgen gemeinsam dafür, dass es an Weihnachten weniger Verlierer gibt und alle Menschen glücklich und zufrieden sein können, auch wenn sie sich weder Flachbildfernseher noch Spielkonsole leisten können. Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden, sondern in den Herzen der Menschen!

Christopher Mrosk

Der 26-Jährige arbeitet als Gemeindeassistent in der Erzdiözese Freiburg und leitet die Arbeitsgruppe Jugend &Kirche der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland.