Erklärungen

Ein Herzensanliegen: Die Zukunft der Familie

Beschluss des Bundesvorstandes: Die Zukunft der Familie ist ein Herzensanliegen des Kolpingwerkes Deutschland und der Arbeitsgemeinschaft der Kolping Familienferienstätten.

Das Wohl der Familie war Adolph Kolping ein echtes Herzensanliegen. „Das Schicksal der Familie ist nämlich über kurz oder lang das Schicksal des Landes“, so hat es Kolping begründet. Familien bilden das Rückgrat der Gesellschaft. Das Kolpingwerk Deutschland und die Arbeitsgemeinschaft der Kolping Familienferienstätten setzen sich gemeinsam für die Belange aller Familien ein und fordern Politik, Gesellschaft und Kirche auf, sich ebenso engagiert als Anwalt und Fürsprecher für Familien zu verstehen.

Der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland hat sich aus Anlass des Bundeshauptausschusses 2014 in der Lutherstadt Wittenberg im Memorandum „Familienfreundliches Deutschland“ zur Familie und deren Stellenwert in der Gesellschaft positioniert.

Mit seinen derzeit sieben Familienferienstätten ist das Kolpingwerk der größte Träger von gemeinnütziger Familienerholung in Deutschland. Das vorliegende Papier stellt die Positionen dar und ergänzt sie um die Frage, welchen Beitrag gemeinnützige Familienferienstätten in Trägerschaft des Kolpingwerkes dazu leisten. 

1.   Menschen haben Sehnsucht nach verlässlichen Beziehungen

Junge Menschen schätzen den Wert der Familie hoch ein. Das belegen viele relevante Jugendstudien. Mehr als drei Viertel der Jugendlichen stellen für sich fest, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können. Das bezieht sich nicht nur auf die Gründung einer eigenen Familie, sondern auch auf die Herkunftsfamilie. Diese bietet gerade in Zeiten gestiegener Anforderungen in Schule, Ausbildung und den ersten Berufsjahren Rückhalt und emotionale Unterstützung. In Angeboten der Jugendarbeit sollten Fragen von Partnerschaft und Familie ihren Raum haben.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes ermöglicht Familien fernab des Alltags gemeinsame Zeit und Gemeinschaft zu verbringen, eigene Ressourcen zu stärken, Kompetenzen zu entwickeln und Selbsthilfepotenziale zu fördern. In diesem Sinne werden Familien in der Erziehung, Bildung und Fürsorge unterstützt. Damit leisten Kolping Familienferienstätten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Familie im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe.

2.   Starke Familien sind das beste soziale Netz

Gescheiterte Beziehungen zwischen Paaren wie zwischen Eltern und Kinder sind ein Grund für steigende Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Sozialhilfe. Es geht nicht darum, die unterschiedlichen Ursachen und individuellen Lebenssituationen zu bewerten. Der Staat wird aber auf Dauer nicht in der Lage sein, die sich aus individuellen Entscheidungen ergebenen finanziellen Belastungen für die Gesellschaft tragen zu können. Daher sind alle Hilfen zur Stabilisierung der familiären Strukturen, der „kleinen Einheiten“, notwendig.

Familien fehlt es im Alltag häufig an gemeinsamer Zeit. Dazu gehören die gemeinsam verbrachte Familienzeit, Zeiten für die Partnerschaft, aber auch Regenerationszeiten, um die an die einzelnen Familienmitglieder gestellten Anforderungen des Alltags meistern zu können. Darüber hinaus stärkt die zweckfreie Zeit die Resilienz der Familienmitglieder.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes leistet hier einen wichtigen Beitrag. Kolping Familienferienstätten helfen die Isolation der Kleinfamilie aufzubrechen und ermöglichen Begegnung mit anderen Familien sowie Mehrgenerationentreffen. Durch niederschwellige Angebote werden zugleich Anregungen für den Umgang mit Freizeit gegeben und Erfahrungsaustausch zur Alltagsbewältigung ermöglicht.

3.   Familien brauchen Zeiten und Räume für ihr Leben

Neben Zeiten der Erwerbstätigkeit und des bürgerschaftlichen Engagements braucht es Freiräume für das gemeinsame Leben von Eltern und Kindern, ohne Diktat durch die Bedingungen der Erwerbsarbeit. Es geht darum, die Stabilität der Beziehungen zu stärken und das Familienleben als Kraftquelle und Keimzelle der Gesellschaft zu erhalten. „Je schwankender alle äußeren und öffentlichen Verhältnisse werden, umso besser bauen wir in der Familie die bessere christliche Zukunft“, so würde Adolph Kolping auch heute noch formulieren.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes ermöglicht ein positives Gemeinschaftserlebnis fernab des Alltags. Kolping Familienferienstätten bieten zugleich werte- und interessenorientierte Bildungs- und Freizeitangebote sowie bedarfsorientierte Förder- und Beratungsangebote an. Auch dadurch unterscheidet sich gemeinnützige Familienerholung von eher kommerziell ausgerichteten Angeboten.

Durch ihren Gemeinschaftscharakter ermöglichen Angebote der gemeinnützigen Familienerholung, untereinander ein Netzwerk der Familien aufzubauen, das im Nachgang der Erholungszeit Austausch und Unterstützung bieten kann. Konkret wird dies in der konzeptionellen Ausgestaltung der Freizeit- und Urlaubsprogramme in den Kolping Familienferienstätten, die auf gemeinschaftliches Miteinander und Erleben innerhalb der eigenen Familie und darüber hinaus angelegt sind (Wanderungen, Kreatives, Lernen in der Natur etc.). Zusätzlich stärken geistliche, religiöse und werteorientierte Angebote die Familien.

4.   Familienpolitik hat einen eigenen Wert

Für das Kolpingwerk ist Familienpolitik ein eigenständiges Politikfeld und Querschnittpolitik zugleich. Dass Familien heutzutage immer stärker den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht werden müssen, darf nicht im Ergebnis dazu führen, dass auch noch die Familienpolitik diesen Anforderungen untergeordnet wird. Das Kolpingwerk wendet sich gegen die zunehmende Ökonomisierung der Familienpolitik. Es geht nicht darum, die Familien den Interessen der Wirtschaft anzupassen, sondern die Wirtschaft den Belangen von Familien.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes braucht Förderung und Unterstützung. Neben Individualzuschüsse für bedürftige Familien sind zudem Investitionszuschüsse zur Sicherung, Wieder- bzw. Neuetablierung sowie zum Ausbau für die Träger der Immobilien durch Bundes- und Landespolitik notwendig. Hier darf nicht zulasten von Familie gespart werden. Familienpolitische Forderungen des Kolpingwerkes greifen stets auch Aspekte der gemeinnützigen Familienerholung auf. Diese werden engagiert innerhalb der Kolping-Netzwerke und Interessensvertretung dargestellt und eingefordert.

5.   Es gilt die Vielfalt der Familienformen zu achten

Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor den Familien nicht Halt. Die Formen familiären Zusammenlebens sind heute so vielschichtig wie nie zuvor. Sie verdienen mit Blick auf die füreinander wahrgenommene Verantwortung Respekt und Wertschätzung. Leider wird dabei in der Öffentlichkeit nur selten wahrgenommen, dass nach aktuellen Zahlen immer noch über 70 Prozent der Kinder bei ihren verheirateten Eltern leben.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes ist grundsätzlich offen für unterschiedliche Familienformen. Kolping Familienferienstätten sind Orte des Erfahrungsaustausches und bieten zugleich die Möglichkeiten ein besseres Verständnis für unterschiedlich gelebte Familienmodelle. Zu den Zielgruppen gehören kinderreiche, einkommensschwache und alleinerziehende Familien sowie Familien mit Angehörigen mit Behinderungen. Für verbandliche Gliederungen des Kolpingwerkes Deutschland auf Diözesan- und Landesebene und in den Regionen bieten sich die Familienferienstätten als Kooperationspartner im Bereich Familie an. Sie haben Erfahrung mit den unterschiedlichen Zielgruppen und können hier entsprechend unterstützen.

6.   Es bedarf vielfältiger Unterstützung für Familien

Familien brauchen heute Freiräume, um miteinander Zeit verbringen zu können. Sie brauchen eine finanzielle Verlässlichkeit und breite Unterstützung. So vielfältig das Familienleben ist, so vielfältig müssen die familienunterstützenden Angebote sein. Betreuungsangebote und Ganztagsschulen sind genauso wichtig wie finanzielle Hilfen in verschiedenen Lebenssituationen. Vor allem aber braucht es Ermutigung, sich auf Ehe und Familie einzulassen und familienfreundliche Rahmenbedingungen, die Kindergeschrei als Zukunftsmusik empfinden.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes unterscheidet sich sehr deutlich von allgemeinen Angeboten des kommerziellen Tourismus. Im Unterschied zu Angeboten von Kinder- und Jugendreisen liegt der Fokus auf Familien in ihrer Gesamtheit, also auf Stärkung und Förderung der Familie als Gemeinschaft und ihren wertschätzenden und solidarischen Umgang miteinander. Die Kolping Familienferienstätten sind errichtet worden, um möglichst vielen Familien einen gemeinsamen Erholungsurlaub zu ermöglichen. Vor allem vielfach belastete Familien und kinderreiche Familien, die sich oftmals keinen Urlaub leisten können, brauchen Unterstützung durch Individualzuschüsse. Familien dürfen Familien sein, Kinder dürfen Kinder sein – dies ist in den Kolping Familienferienstätten selbstverständlich.

7. Eine pauschalisierende Familienschelte ist abzulehnen

Wir setzen uns dafür ein, echte Wahlfreiheit zu ermöglichen. Wir wenden uns gegen einseitige Darstellungen von überforderten Familien in der Öffentlichkeit und einen pauschalierenden Generalverdacht, der Eltern unterstellt, sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern oder gar finanzielle Unterstützungsleistungen nicht zweckgemäß einsetzen zu können. Eltern sind und bleiben für uns die ersten und grundsätzlich besten Erzieher ihrer Kinder, denn ihnen obliegt das Recht und die Pflicht zur Erziehung. Nicht von den zweifelsfrei existierenden Ausnahmen her, sondern vom Regelfall muss sich Politik zunächst leiten lassen.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes unterstützt und stärkt Erziehende und trägt damit zu einer positiven Darstellung von Familien in der Öffentlichkeit bei.

8.   Familien übernehmen Verantwortung in einer alternden Gesellschaft

In einer durch den demografischen Wandel alternden Gesellschaft mit schwindenden Bindungen und zunehmender Vereinzelung ist die Familie die robuste Institution, die Halt verspricht, nicht der Staat oder die Gesellschaft allein. Das Leitbild einer „sorgenden Gesellschaft“, wie es der siebte Altenbericht erarbeitet, kann hier nur ergänzend und subsidiär gemeint sein. Deshalb müssen familiäre Formen des Zusammenlebens – in denen Menschen dauerhaft füreinander da sind und sich dazu bekennen – gestärkt und gewürdigt werden.   

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes bietet mit seinen Ferienstätten älteren Menschen – sei es als Teilnehmende einer Seniorenfreizeit oder generationenübergreifende Angebote – an. Durch Gespräche und im Miteinander werden neue Impulse für die Gestaltung des Alltags gegeben. Im Erfahrungsaustausch mit jüngeren Generationen werden ältere Menschen zudem als kompetente Zeitzeugen und Experten geschätzt.

9.   Die Stärkung von Ehe und Familie bleibt notwendig

Die Ehe ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Verheiratete leben länger in größerer Verlässlichkeit und Sicherheit. Ihre ökonomische Basis ist stabiler als in anderen Lebensformen. Sie bildet für das Aufwachsen von Kindern einen verlässlichen Rahmen. Ehepartner sorgen vielfach für ihre Eltern sowie wechselseitig füreinander. Die Ehe ist deshalb eine unverzichtbare Grundfeste der Gesellschaft. Mit Recht räumt der Staat der Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft über das Splitting Gestaltungsmöglichkeiten ein, über die unverheiratet Zusammenlebende so nicht verfügen.

Gemeinnützige Familienerholung des Kolpingwerkes ermöglicht in seinen Ferienstätten niedrigschwellige zweckfreie Angebote im Rahmen des Urlaubs. Sie umfassen unterschiedlichste Themenbereiche, u. a. auch Themen wie Kommunikation und Streitkultur in der Familie, die Vermittlung von Erziehungskompetenz, sowie geistliche und religiöse Angebote zur Stärkung von Ehe und Partnerschaft.


Thomas Dörflinger, MdB                                         Willi Breher
Bundesvorsitzender                                               Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Kolpingwerk Deutschland                                       Kolping-Familienferienstätten

Köln, den 1. Juli 2017                                            Teisendorf, den 22. März 2017