Aus den Regionen

Kolpinger in Südindien

Bildungsreise der Kolpingsfamilie Lauterbach nach Tamil Nadu und Kerala in Südindien

Die Kolpingsfamilie Lauterbach pflegt seit dem Jahr 1989 partnerschaftliche Beziehungen nach Südindien. Neben Kolpingmitgliedern aus dem Schwarzwalddorf Lauterbach nahmen auch Vertreter der Kolpingsfamilie Bad Waldsee an der Reise teil. Die Gruppe von insgesamt sieben Leuten wurde ergänzt durch weitere interessierte Personen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Im Vergleich zu Nordindien ist Tamil Nadu verhältnismäßig wohlhabend. Trotzdem ist es erschreckend und ungewohnt, zu sehen, wie Menschen auch hier täglich um ihre Lebensgrundlagen kämpfen müssen. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen sowie die tiefe Spiritualität der Bevölkerung versöhnen einen dann jedoch schnell mit dem südlichen Bundesstaat. Das Land ist geprägt vom Hinduismus, der über 80 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Christen sind in diesem Landesteil, wie auch in Indien insgesamt, eine Minderheit.

Die Reisegruppe durfte beim katholischen Bischof der Diözese Palayamkottai, Jude Paulraj, zu Gast sein. Pfarrer Chacko Varghese, der drei Jahre als Vikar in Bad Waldsee gewirkt hatte und aus einer Pfarrei der südindischen Diözese Palayamkottai stammt, begleitete die Gruppe beim Besuch von Schulen, Sozialprojekten, Alten- und Behindertenheimen. Die Ideen des Sozialreformers Kolping erscheinen in Indien lebendig und aktuell. Bildung, Hilfe zur Selbsthilfe und die Zusammenarbeit in Gruppen, das sind die Prinzipien, mit denen versucht wird, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern.

Die Gruppe konnte einige Schulen besuchen, die durch Spendengelder der Kolpingsfamilien und der Kirchengemeinden aus Bad Waldsee und Lauterbach im Laufe der letzten Jahre entstanden sind. In diesen Einrichtungen, die Kindern aller Religionen offen stehen, wurden die Reisenden stets sehr herzlich empfangen. Für viele indische Kinder war es vermutlich das erste Mal, dass sie Menschen mit heller Haut begegnet sind. Die anfängliche Zurückhaltung wurde schnell überwunden. Neben Schulen wurden auch drei indische Kolpingsfamilien besucht. Diese berichteten, wie durch sogenannte Mikrokredite ihre Lebenssituation verbessert werden konnte. Zu diesem Zweck werden Sparvereine gegründet, deren Mitglieder kleine Geldsummen ansparen und diese dann wieder als Kredit an Gruppenmitglieder vergeben. Dieses Programm wird von Kolping Indien finanziell und organisatorisch unterstützt. Mit den Krediten können Milchkühe, Ziegen oder auch Maschinen, wie zum Beispiel Nähmaschinen, zum Erzielen von Familieneinkommen angeschafft sowie kleine Läden eingerichtet werden. In den indischen Kolpingsfamilien sind meistens die Frauen aktiv. Sie tragen die Hauptlast der eigenen Familie. Was sie in die Hand nehmen, funktioniert. Mädchen und Frauen haben es in Indien sehr schwer. Sie sind meist abhängig vom Wohlwollen der Männer.

Nach neun Tagen in Tamil Nadu reisten die Mitglieder der Kolpingsfamilie Lauterbach weiter in die von ihr unterstützte Diözese Tiruvalla im Bundesstaat Kerala. In der Diözese Tiruvalla werden von der Kolpingsfamilie und der Pfarrgemeinde Lauterbach zwei Projekte gefördert: das Ausbildungsprogramm für Kinder und Jugendliche und das Wasserfilterprogramm, das den Familien in den Dörfern sauberes Trinkwasser ermöglicht. Eine gute Ausbildung eröffnet den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive. Sie sind in der Lage, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mangelnde Ausbildung ist eines der Grundübel, warum es den Menschen in den armen Ländern unserer Erde schlecht geht, warum sie in Abhängigkeit, Unterdrückung und Wehrlosigkeit leben müssen.

Die Reise hat bei den Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es war trotz der kurzen Zeit  möglich, die indische Gesellschaft und die konkreten Lebensbedingungen der Menschen vor Ort kennenzulernen. Die Erfahrungen und Begegnungen wirken sicherlich nach und werden das zukünftige Denken und Handeln der Teilnehmenden beeinflussen.