Aus den Regionen

Ein Verband lebt von den Begegnungen!

31 Kolpingmitglieder aus dem Kolpingwerk Diözesanverband (DV) Köln waren im September zu Besuch bei Kolpingfreunden aus dem Kolpingwerk DV Görlitz.

"Bis Dresden sind wir gekommen – aber weiter noch nie!", sagten viele Görlitzfahrer in der Vorstellungsrunde. Unterwegs in der Oberlausitz traf man Kolpingschwestern und -brüder und erkundete die Grenzregion an der Neiße zu erkunden.

Ein Phänomen dieser unternehmungslustigen Kolpinggruppe war: Alle schafften es, eine Woche lang stets pünktlich im Bus zu sitzen! Ein enorm abwechslungsreiches Programm lockte. Aber der rote Faden waren nicht Sightseeing und Kulturgenuss, sondern Begegnung und Austausch mit Kolpingern und ein besseres Verständnis für die Mentalität der Menschen und die Geschichte und des Glaubens dieser Region. Anlass war das 160-jährige Jubiläum des Diözesanverbandes Köln.

Die komplexe Geschichte der Region wurde im Schlesischen Museum deutlich: kulturell und politisch trafen hier böhmische, sächsische, preußische, schlesische, sorbische und polnische Einflüsse und Ansprüche aufeinander. Wechselnde Herrscher bedeuteten für Christen oft: Wechsel der Konfession. Wie das praktisch aussah, erfuhren wir in Polen im Schloss Lomnitz: Im Keller des liebevoll restaurierten Schlosses fanden Handwerker neben dem Gemüsekeller eine Nische, in der wohl vor etwa 200 Jahren heimlich protestantische Gottesdienste gefeiert wurden – nachdem man die katholische Sonntagsmesse besucht hatte.

Im „Sorbischen Museum“ in Bautzen erfuhren wir, dass es unter den etwa 60.000 Sorben zwischen Bautzen und Spreewald sowohl Katholiken als auch Protestanten gibt, dass man Obersorbisch und Niedersorbisch unterscheidet und dass man zwischen 12 und 13 Uhr nicht arbeiten soll, denn sonst könnte die sagenhafte „Mittagsfrau“ erscheinen, die die Missachtung der Mittagspause mit dem Tod bestrafen könne.

Das Kloster Marienthal, die Unterkunft der Reisenden, war vor der Wende ein vergessenes Kleinod. Die Zisterzienserinnen betrieben hier Landwirtschaft, doch das war auf Dauer nicht zukunftsfähig. Nun kann man in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden preiswert und gut wohnen und tagen. Im Tagungsraum wurde ein "Fest der Begegnung“ mit  30 Kolping-Gästen aus der Umgebung gefeiert. Nach einem gemeinsamen Abendessen schlugen die beiden Diözesanpräsides Peter Jansen (Köln) und Dr. Wolfgang Kresak (Görlitz) das erste Kölschfass an. „Wir sind ein Verband, der von Begegnungen lebt! Begegnung ist unsere Antwort auf den Ungeist dieser Tage! Wir setzen den heiligen Geist dagegen!“, sagte Wolfgang Kresak und verwies auf die Krawalle in Chemnitz. Bald waren Kolpinger aus Rheinland und Lausitz in Gespräche über Gott und die Welt vertieft. „Das macht unseren Verband aus: unter Kolpingern hat man oft die gleiche Wellenlänge!“, meinte Diözesanvorsitzender Martin Rose.

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Text: Kolpingwerk DV Köln/Bettina Weise
Fotos: Kolpingwerk DV Köln/Sabine Terlau