Bundesebene Geistlicher Impuls

Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 5. Fastensonntag.

Manchmal begegnen wir der Meinung, der Glaube sei eine vorwissenschaftliche Einstellung und überall dort zu finden, wo der Mensch das exakte und logische Denken (noch nicht) gelernt habe. Vernunft und Glaube als Gegensatz? Ich meine: Nein! Zu einer verantwortbaren Glaubensentscheidung gehören Vernunftgründe, soll es kein blinder Glaube sein. Glaube und Vernunft sind kein Gegensatz!

Dies sollte bedacht werden, weil das Evangelium uns mit einer Frage konfrontiert, in welcher Glaube und Vernunft sich scheinbar widersprechen: mit der Frage nach dem Tod.

Was ist der Tod? Ist er Auflösung des Menschen ins Nichts oder Hinübergang ins Jenseits? Verschwindet der Mensch spurlos, oder wird er verwandelt? Ist der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod begründet, oder ist der Illusion, frommer Wunsch, religiöses Opium, um den Schmerz über den Verlust geliebter Menschen zu betäuben? Viele sagen: Das ist eine Glaubensfrage, mit dem Verstand kommt man hier nicht weiter. Keiner kann beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt - aber auch nicht, dass es dieses Leben nicht gibt!

Vernunft und Glaube aber verhalten sich nicht so zueinander, dass der Glaube dort anfängt, wo die Vernunft aufhört, sondern der Glaube ruht auf dem Fundament der Vernunft. Der Mensch muss in der Lage sein, für seine Glaubensentscheidung vernünftige Gründe anzuführen. Fragen wir also: Welche vernünftigen Gründe haben wir Christen zu glauben, dass es ein Leben nach dem Tod gibt? Was spricht dagegen, was spricht dafür?

Es wird gesagt: der Tod ist ein Naturgesetz. Alles, was lebt, lebt nur eine gewisse Zeit, dann stirbt es und geht wieder im Kreislauf der Natur auf. So ist es auch beim Menschen.

Dagegen sage ich: Die Behauptung, der Mensch sei nichts anderes als ein biologischer Organismus, ist falsch. Der Mensch ist Leib-Geist-Wesen. Der biologische Tod ist kein Beweis dafür, dass vom Menschen nichts mehr übrig bleibt.

Es wird gesagt: Der Tod ist eine Grenze, über die der Mensch nicht hinaus kann. Er kann nicht wissen, ob da noch etwas ist oder nicht ist. Also ist es zwecklos, sich darüber Gedanken zu machen.

Dagegen sage ich: Es gehört zum Wesen des Menschen, dass er immer wieder versucht, Grenzen zu überschreiten. Er lässt sich das Denken nicht verbieten, auch nicht das Nachdenken über den Tod hinaus.

Es wird gesagt: Der Tod gehört nun mal zum Leben, ist ein Naturgesetz. Ohne den Tod gäbe es keinen Raum für nachwachsende Generationen. Den Tod muss der Mensch bejahen.

Dagegen sage ich: Warum wehrt sich dann der Mensch gegen den Tod? Warum betrachtet er ihn als dunklen Feind, der die Liebenden auseinanderreißt, Freundschaften jäh beendet? Warum versuchen wir mit allen Mitteln, unser Leben zu verlängern und den Gedanken an den Tod zu verdrängen? So gesehen, ist der Tod nicht Gegenpol des Lebens, sondern sein Widerspruch.

Schließlich wird gesagt: Was soll das viele Grübeln über Sterben und Tod? Hauptsache, man lebt! Man soll sich über das Leben Gedanken machen und sinnvoll zu leben versuchen.

Dagegen sage ich: Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist unlösbar mit der Frage nach dem Tod verbunden. Denn der Tod macht eben in vielen Fällen keinen Sinn. Welchen Sinn hat das Sterben von Kindern? Warum sterben die einen leicht und die anderen schwer? Warum sind Lebenszeit und Lebenschancen unter uns Menschen so ungleich verteilt? – Wenn mit dem Tode alles aus ist, droht auch dieses Leben sinnlos zu werden.

Es gibt also gute Gründe zu sagen: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Aber noch so viele gute Gründe ersetzen nicht den Glauben an den, der wirklich das letzte Wort hat: Jesus Christus. Der Glaube an Jesus Christus ist kein blinder, sondern ein begründeter Glaube. Es ist nicht unvernünftig, sich dem anzuvertrauen, der das ungeheuerlichste Wort gesagt hat, das auf dieser Erde je aus Menschenmund kam: „ Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,25). Dieser Glaube gibt Sinn und Richtung. Gott sei Dank.

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