Bundesebene Geistlicher Impuls

Vorbilder des Glaubens

Worte des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus

Heute feiern wir das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Grundpfeiler der Kirche. Vorbilder des Glaubens. 
Einige Akzente zum Heiligen Petrus möchte ich heute setzen, auch in Bezug zu unserem persönlichen Glauben. Aspekte, die vielleicht manches beleuchten, was bei der Betrachtung des heiligen Petrus untergehen könnte.

Petrus - das ist zunächst ein Mensch wie wir: Mit Licht- und Schattenseite. Was ihn wohl besonders auszeichnet: Er ist begeisterungsfähig, ein Waghals, für große Aufgaben geschaffen.
Als Jesus ihn rief, gab es für ihn kein Wenn und Aber, kein Vielleicht, keine langen Überlegungen. Er verlässt seine Familie, seinen Beruf, er lässt alles zurück. Das ist Petrus!

Doch wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten.

Wir kennen die Schwachpunkte im Leben des Petrus. Er hat sich oft überschätzt: “Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich niemals..., so sagte er... und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen." Kurz darauf schlief er ein, während Jesus im Garten von Getsemani voll Angst und Traurigkeit mit dem Willen des Vaters ringt. Und später im Hof des Hohenpriesters verleugnet er den Herrn dreimal - ausgerechnet gegenüber einer Magd, die ohnehin keinen großen Einfluss hat. Und als Jesus am Kreuz hängt, da ist von Petrus nichts mehr zu sehen. Ja, das ist Petrus... warum macht Jesus diesen Petrus mit seinen vielen Schwachstellen zum Felsen seiner Kirche?

Warum gerade Petrus, warum ist er der Mann seiner ersten Wahl?

Jesus baut die Kirche. Sie ist keine menschliche Einrichtung. Jesus und Kirche gehören wesentlich zusammen. Eine Trennung von Jesus und Kirche gibt es vor dem Evangelium nicht. Die Kirche ist nicht die Kirche des heiligen Petrus, nicht die Kirche des Papstes oder der Priester, sie ist und bleibt immer die Kirche Jesu Christi. Darum ist im letzten nicht Petrus der Fels, das Fundament der Kirche, sondern Jesus Christus.
Er, Christus, ist der Eckstein, der Schlussstein, der Grund. Im ersten Korintherbrief heißt es: "Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus."

Wenn aber Jesus zu Petrus sagt "Du bist der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen", dann kann Petrus nur Fels sein mit Jesus Christus zusammen. Oder anders gesagt: Jesus Christus ist die Macht in der Ohnmacht des Petrus. Das macht den schwachen Petrus zum Felsen. Jesus hat für Petrus gebetet, dass sein Glaube nicht erlischt. Petrus wird gehalten und getragen durch Christus.

Wir alle, ganz gleich welches Amt und welche Funktion wir in der Kirche haben, sind wie Petrus oftmals schwache und fragwürdige Figuren. Darum ist es gut, immer wieder den Herrn der Kirche, Jesus Christus, zu bitten, dass er uns bekehrt und stärkt, damit aus den Bruchstücken, die wir sind, eine glaubwürdige Kirche wird, die wir zusammen bilden - leben - erleben. So können wir einen Glauben leben und erleben, der nicht schwach, sondern stark macht. Einen Glauben, der suchend und bekennend ist, tragend und wegweisend, kraftvoll und zart, mutig und fragend.

Wenn wirtschaftliche Unternehmen gegründet oder weiterentwickelt werden, dann suchen sie hierfür dynamische Führungspersönlichkeiten. In der Heilsgeschichte Gottes ist es ganz anders. Das Schwache wird auserwählt.  

Als man in Israel anstelle Sauls einen neuen König sucht, da hätte man gut und gern einen der sieben Söhne des Isai zum Nachfolger bestimmen können. Einer war schöner und prächtiger als der andere. Doch der jüngste, der gar nicht würdig erschien, mit den anderen vorgestellt zu werden - er muss erst von der Weide geholt werden - er war unwichtig, nicht im Blick. Dieser Jüngste, David, ist der Erwählte des Herrn. Er wird der neue König.

So geht es durch die ganze Heilsgeschichte Gottes bis hin zum Kreuz. Es ist das Niedrige, was Gott erwählt hat, das Törichte, das Schmachvolle, das Schwache. Das, was nicht im Blick ist. Gerade darin aber offenbart sich Gottes tiefste Weisheit. Unser Leben kann deshalb immer in Gott Entfaltung finden - nicht die Leistung, sondern der Wille zählt. 

Jesus hat den schwachen Petrus erwählt. Das heißt für uns: Wir dürfen auf unsere Schwächen hinweisen, auf unsere Fehler, auf unser Versagen, auf unsere Schuld. So dürfen wir auf Gott zugehen, voll Vertrauen, voller Hoffnung. Das zu wissen, kann uns befreien und entlasten. Keiner von uns ist perfekt. Perfektion ist nicht die Erwartungshaltung Gottes. Das zu wissen, macht uns gelöst und offen für das, was Christus aus uns machen will.

Worum es Christus bei uns geht? Es geht um unsere Bereitschaft, uns einzulassen auf den Ruf Jesu, das will uns Petrus, das will uns das heutige Fest sagen. Er sucht unter uns allen die Bereitschaft, ihm zu folgen, für den Glauben einzutreten, in seiner Kirche zu leben. Aber das alles nicht nur etwas oder irgendwie, sondern mit unserer Existenz, mit unserem Leben. Wir sollen mitwirken, das möchte Er. Bei Christus haben wir alle eine Chance. Gerade die Unmündigen, die Geringen, die Verachteten, die mit dem schwierigen Leben. Er kann mit jedem etwas anfangen. Er kann aus einem schwachen Menschen einen Felsen machen.

In der Welt gelten Stars, im Reiche Gottes Menschen wie Petrus. Menschen die sich bemühen, Menschen mit Licht- und Schattensein. Menschen, die sich auf den Weg machen, Menschen, die Christus zur Mitte machen. Menschen, die nach Christus suchen. Menschen, die Glauben leben und erlebbar machen. Aus solchen Menschen macht Gott Heilige. 

Das Fest heute ist für mich ein Fest der Bestärkung, wirklich auf dem Weg des Glaubens zu gehen. An einen Gott zu glauben aus dessen Blickfeld wir niemals herausfallen. Jeder ist in Gottes Liebe. Mit ihm gibt es kein verlorenes Leben. So ist unser Gott. An ihn dürfen wir glauben. Mit ihm gehen wir gemeinsam. Glauben stärkt. Glaube lebt. Glaube hofft. Was kann besser sein?

Pfarrer Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland