Bundesebene Geistlicher Impuls

Maria: erdennah und himmelfern

Worte des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Hochfest Mariä Himmelfahrt

Heute feiern wir das Hochfest Mariä Himmelfahrt. Mit meinen Gedanken möchte ich einige Aspekte dieses Festes erläutern. Die Urkraft allen Lebens, die wir Christen Gott nennen, hat Maria in ihrer Ganzheit zu sich zurückgenommen. Alles, was ihr Leben ausgemacht hat, lebt jetzt in seinem Wesen, ist in seiner Liebe gehalten. Alles, was ihr Leben hier in dieser Welt gewesen ist, was sie getan und gelassen hat, wird von ihm bewahrt. Nichts lässt er verloren gehen. So hat er ihr Leben geheiligt.

Das glaube ich, ohne es letztlich beweisen zu können. 

Um Maria und ihr Leben feiern zu können, muss ich sie kennen. Wenig nur wird in der Bibel von ihr erzählt. Vieles wurde in den Jahrhunderten von den Menschen in sie hineingedacht. Dabei wurde sie vielfach so erdenfern entrückt. Aber ihr Leben darf nicht nur im Himmel bewahrt bleiben. Es muss auch hier bei uns Anbindung finden. Hier, in meinem, in unserem Leben muss ihr Menschengesicht zu erkennen bleiben. 
Ich sehe Maria in den vielen Mädchen und Frauen, die ein Kind erwarten. Die um ein Ja zu diesem Kind kämpfen und menschliche, gesellschaftliche und finanzielle Hilfe benötigen. Mädchen und Frauen, die sich zu einem Ja zum Kind durchringen. Oftmals ohne zu wissen, wie sehr sich ihr Leben verändert und die Verantwortung drücken wird. 

Ich sehe Maria in den vielen Müttern und Vätern, die um ihre Kinder bangen, weil ihre Kinder die Werte ablehnen, die sie ihnen als Eltern vermittelt haben, weil sie ihren Lebensweg so ganz anders gehen und sich manchmal auch so an den Rand der Gesellschaft und des Lebens bringen. Diese verzweifelten Mütter und Väter dürfen dann keinen Rat mehr geben, ihren Schutz nicht mehr anbieten.

Ich sehe das Gesicht Marias in den Eltern- und Menschengesichtern, die hilflos an den Krankenbetten ihrer Kinder oder ihrer Lieben ausharren. Die mit ihnen die Schmerzen der tödlichen Krankheit aushalten und ihr Sterben mit ihrer Liebe begleiten. Maria weiß um die Ohnmacht und Traurigkeit dieser Menschen.
In Maria sehe ich eine starke Frau. Eine Frau, die vertrauen konnte, auch wenn ihr nicht alles verständlich war, was geschah. Eine Frau die auch Verzweiflung und Mut, Weinen und Lachen, Bedürftigkeit und Geborgenheit und Liebe in ihrem Leben kennengelernt und erfahren hat.

Wie sehr hat Maria gespürt, dass und wie Gott in ihr leben will und was er ihr zutraut und zumutet? Maria darf nicht mit allem, was ihr Leben ausgemacht hat, allein im "Himmel" bleiben. Ihre Größe muss hier bei uns gewünscht sein und gelebt werden dürfen - von starken und liebesmutigen Frauen, die heute für das Leben und den Glauben an die Kraft des Lebens eintreten. Wenn ich nachdenke und das Gesicht Marias so zeichne, dann ist sie hier auf unserer Erde immer noch lebendig.

Diese Maria grüße ich, erdennah und himmelfern zugleich, und danke ihr von Herzen für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis.

Pfarrer Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland

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