Geistlicher Impuls

Im Inneren des Herzens

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Das Evangelium zeigt Jesus in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Dabei ging es um die Überlieferungen der Alten. Hier ist es die deutliche Unterscheidung von rein und unrein, die die Pharisäer sehr genau nahmen.

Jesu Aussagen zeugen von einer provozierenden Freiheit in diesen Dingen. Es hieße ihn aber völlig falsch verstehen, wenn man dahinter eine Lässigkeit oder gar Unreligiosität vermuten wollte. Er will vielmehr gegen die Überlieferungen der Alten setzen, dass es nicht an einer Sache, also an etwas Materiellem, liegen kann, ob etwas – religiös gesehen – gut oder böse ist. Er weist auf das Herz, auf die Personmitte des Menschen hin. Nicht die Gewohnheit, sondern die Gewissensentscheidung ist maßgebend für den Wert einer Handlung.

Unsere heutige Zeit hat eine wache Antenne für das, was echt ist, auch in Fragen der Religion. Was mache ich nur aus einer Tradition heraus – was ja nicht schlecht ist – aber wie komme ich zur echten Überzeugung, zum wirklichen, gelebten Glauben? Wie gelingt es, dass Christus nicht nur eine interessante Figur der Geschichte bleibt, sondern für mich wirklich Gottes Sohn, Gottes Liebe, werden kann?

So könnten wir durch unser ganzes Leben gehen und fragen: Wo ist da unser Herz beteiligt? In der Personmitte fallen die Entscheidungen zwischen Gut und Böse. Aus dem Innern des Menschen kommt das Böse und nicht von außen; das wollte Jesus sagen. Im Innern des Herzens entscheidet es sich auch, warum ich Gottes Gebote befolge und dann das Gute als eine Antwort der Liebe auf die Liebe Gottes tue. Das Wort Gottes, das ich so oft vernommen habe, soll in meinem Herzen anklingen. Ja, dort im eigenen Herzen begegne ich dem lebendigen Jesus Christus, der in mir wohnt.

Unsere Welt ist so vielschichtig und unübersichtlich geworden. Immer wieder begegnen wir neuen Problemstellungen. Alles, was Jesus gelehrt hat, alles, was er uns vorgelebt hat, das, was wir Nachfolge Christi nennen darf für uns zum Maßstab des Handelns werden. In der Vielfalt unserer Zeit brauchen wir ein waches Herz und einen geschärften Sinn für das, was heute Gottes Wille ist und was er für mich ist.

Um diese Wachheit des Herzens geht es im Evangelium. Es geht Jesus um die Klarheit unserer Personmitte. Aus dieser Mitte kommt, wie Jesus sagt, alles Böse, und er hat eine ganze Reihe von diesen bösen Taten aufgezählt. All das kommt aus dem Herzen.

Aber das ist nicht alles. Unser Herz ist auch der Ort, wo Jesus Christus anwesend ist. Dort spricht er zu uns durch seinen Heiligen Geist. Dort, in unserer Mitte, können wir erfassen, was Gottes Wille ist. Wir müssen sehr hellhörig werden und ein sehr einfühlsames Herz bekommen für die Anregungen dieses Gottesgeistes, der in uns hineingelegt worden ist. Das ist die Religiosität des Herzens, um die es Jesus geht.

Wir alle müssen uns öffnen für die Anregungen des Heiligen Geistes: nicht nur im Hinblick auf mich selbst, sondern auf alle Menschen und die ganze Kirche. Aus einem wachen und liebenden Herzen wird eine echte Religiosität, ein wirklicher gelebter Glaube erwachsen. Gerade das ist so notwendig für unsere Zeit.


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