Geistlicher Impuls

Gott in unserer Welt suchen

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Das Lukasevangelium wendet den Anfängen Johannes des Täufers eine besondere Aufmerksamkeit zu. Die Ankündigung seiner Geburt, die Geburt selbst sowie Beschneidung und Namensgebung werden ausführlich erzählt.

Diese Ereignisse finden nicht „im engsten Familienkreis" statt; die Öffentlichkeit nimmt lebhaften Anteil daran. Nach Lukas steht Israels letzter Prophet von Anfang an im Blickfeld seines Volkes. Welches Echo findet sein Kommen?

Elisabet freute sich, als sie ihren Sohn zur Welt gebracht hatte. Als ihre Nachbarn und Verwandten davon hörten, da „freuten (sie) sich mit ihr" (Lk 1, 58). Wir pflegen die Geburt eines Kindes ein „freudiges Ereignis" zu nennen. Doch hier gibt es einen besonderen Grund zur Freude: Elisabet war ja „in vorgerücktem Alter und unfruchtbar“ (vgl. Lk 1, 7) gewesen; darum ist diese Geburt ein besonderes Zeichen göttlichen Erbarmens. Auf dieses sichtbar gewordene Erbarmen Gottes antworten die Leute mit Freude – eine mehr als angemessene Reaktion!

Merkwürdiges geschieht bei der Beschneidung und Namensgebung des Johannes. Staunen kommt auf, als beide Eltern ohne Absprache denselben Namen geben wollen. Und als dann die Zunge des stummen Zacharias plötzlich gelöst wird, merken alle: Hier hat Gott selbst unmittelbar eingegriffen. Vor diesem Eingreifen, vor dieser Nähe Gottes geraten die Leute in Furcht (vgl. Lk 1,65). Vor Gott in Furcht geraten? Den Menschen der Bibel ist eine solche Gottesfurcht geläufig, ja geradezu ein Indiz, dass Gott sich wunderbar kundgetan hat. So war Zacharias erschrocken, als Gottes Engel ihm beim Tempeldienst erschienen war, und auch Maria erschrak über den Gruß Gabriels; beides ist bei Lukas im selben Kapitel zu lesen (vgl. Lk 1,12.29). Ja, die Nähe Gottes kann einen Menschen so betroffen machen, dass er mit Furcht antwortet.

Die Ereignisse im Haus des Priesters Zacharias sprechen sich im ganzen Bergland von Judäa herum. Die Menschen haben erkannt, dass hier offensichtlich Gott selbst seine Hand im Spiel hat; Gottes Heilstaten aber wollen und sollen weitererzählt werden. Die Leute sprechen nicht nur darüber, sie machen sich auch Gedanken; die Frage liegt nahe: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (Lk 1, 66). So klingen die Freude und das Erschrecken über diese Ereignisse in der Frage mit, wozu dieser Johannes denn von Gott gesandt ist. Solches Fragen, solche Offenheit ist die rechte Haltung vor Gott, der dieses Kind zu seinem Propheten, seinem Boten ausersehen hat.

Und wir? Glauben wir, dass Gott an den Menschen handelt und dass er unser Leben mit seiner Nähe begleitet? Gibt es auch heute noch wunderbares Handeln Gottes in der Welt? Wie lebe ich aus dem Glauben an den lebendigen Gott? Johannes der Täufer steht zwischen zwei Zeiten: Der Alte Bund geht zu Ende. Etwas Neues zieht auf, undeutlich noch, aber schon drängend, beunruhigend. Das ist wie in unserer Zeit. Auch wir spüren: Manches geht zu Ende, Altes zerbricht, Neues will werden. Bei all dem scheint Gottes Stimme leise, undeutbar und undeutlich geworden zu sein, weit weg von uns. Wir müssen Gott suchen. Müssen hinausgehen aus der lärmenden Menge, aus der lauten Masse der Menschen, wenn wir ihn hören wollen. Wir Christen müssen dafür sorgen, dass Gott in unserer Welt gefunden und mitten in der Welt erlebt werden kann. Jeden Tag.


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