Geistlicher Impuls

Brot des Lebens

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Weisheit ist die Fähigkeit des Menschen zu verstehen, wie die Welt und das Leben geordnet sind, welche Gesetze das Leben der Menschen und die Welt leiten. Ein weiser Mensch richtet sein Leben nach dieser Ordnung aus. Ein weiser Mensch macht sein Leben und die Schöpfung nicht kaputt, sondern behütet beides.

Bei den Israeliten hat die Weisheit noch eine wichtigere Bedeutung. Die "Weisheit" lehrt die Menschen das rechte Verhalten Gott gegenüber. Sie lehrt die Menschen, wie sie in Gottesfurcht, in Liebe zu Gott und in Gerechtigkeit leben sollen. In der heutigen Lesung wird sie als Frau dargestellt, die die Menschen zu einem Mahl einlädt.

Essen und Trinken bietet die "Weisheit" an. In Brot und Wein bietet die "Weisheit" ihre Gaben an: Wissen um das Leben, Erkenntnis, Freude, Gerechtigkeit, Liebe zu Gott. Das sind Gaben, ohne die der Mensch nicht leben kann.

Im heutigen Evangelium ist auch vom Essen und Trinken die Rede. Auch hier geht es um eine besondere Speise und einen besonderen Trank, von Jesus selbst angeboten. Jesus ist für uns die "Weisheit" von Gott. Er ist all das, worauf die Menschen früher gewartet haben und worauf wir heute warten.

Jesus hatte einer großen Menschenmenge Brot und Fisch zu essen gegeben (vgl. Joh. 6,1-15). Zwölf Körbe voller Brotstücke waren übrig geblieben. Jetzt spricht Jesus von einem anderen Brot, das er den Menschen geben will. Er will ihnen sich selbst – sein Fleisch – zu essen geben.

Das können die Juden nicht verstehen. „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52) Als Gleichnis könnten das die Juden verstehen. So wie die "Weisheit" zu einem Mahl einlädt, so könnte auch Jesus die Menschen zu einem Mahl laden. Doch dieser Jesus meint es ernst. Er will tatsächlich sich selbst zu essen geben. Wie soll das geschehen?

Das Brot, das Jesus den Menschen schenken will, hat eine besondere Wirkung. Wer dieses Brot isst, hat das Leben in sich, ewiges Leben, das heißt letztlich: das Leben von Gott, das Leben mit Gott. Von diesem Brot sagt Jesus weiter, dass es den, der davon isst, auferwecken wird von den Toten. Das Brot macht sogar Tote wieder lebendig. Schließlich sagt Jesus: Wer von der Speise isst, die er gibt, bleibt mit ihm und mit seinem Vater, mit Gott, verbunden. Jesus hat ja von sich behauptet: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. In Jesus Christus bleiben bedeutet also: das Leben haben.

Im Johannesevangelium kommt dieses Wort vom Leben häufig vor. Wir könnten es so verstehen: Wo wir die Liebe in unserem Leben entdecken, da finden wir auch das Leben, das Jesus schenkt. Die Liebe ist ein Zeichen für das Leben, das von Gott kommt.

Wenn wir in unser Leben hineinschauen, dann können wir diese Liebe entdecken. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern verkündet die Liebe Gottes. Die Liebe der Kinder zu ihren Eltern weist auf das Leben, das von Gott kommt. Die Liebe der Eltern zueinander, die Liebe unter Freunden, die Wertschätzung des Nächsten, die Hilfe für Menschen in der Einen Welt – das alles hat mit dem ewigen Leben Gottes zu tun, das Jesus uns schenken will.

Jesus hat die Worte vom Brot des Lebens nicht einfach so dahergeredet – er hat sie ernst gemeint. Er gibt uns sein Fleisch und Blut in Brot und Wein jeder Eucharistiefeier. An jedem Sonntag, sogar an jedem Tag. Diese Speise will uns stärken für ein Leben, in dem die Liebe die wichtigste Rolle spielt und in dem das ewige Leben Jesu deutlich wird. Lassen wir uns zu diesem Mahl einladen!

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