Bundesebene Geistlicher Impuls

Aus der Kraft des Glaubens auch im neuen Jahr wirken

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Silvester

Die Jahreswende hat für unsere Empfindungen immer eine besondere Eigenart. Angefüllt mit den Gedanken der Weihnacht, mit der Sehnsucht nach Freude, Frieden, Liebe und Glück stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Wir blicken zurück auf das, was war.

Wir schauen in die Welt, Jahresrückblicke im Fernsehen. Es ist so viel geschehen. Wir sehen die Leiden vieler Völker und damit der Menschen. Krieg, Ausbeutung in vielen Ländern. Probleme, sozialer Sprengstoff auch unter uns.  Wie viele internationale Probleme die Politik bewältigen muss, dazu die vielen Herausforderungen in unserem Land- können Politiker in dieser schnelllebigen Zeit noch Visionen entwickeln oder reagieren sie nur noch?

Wir schauen in unsere Familien, in unser persönliches Umfeld. Auch da gab es Höhen und Tiefen. Vielleicht mussten wir starke Schwierigkeiten in der Familie meistern. Aber Probleme machen auch vor einem Neuen Jahr nicht Halt. Sie prallen am Datum der Jahreswende nicht ab. So stehen wir vor Gott und fragen uns: Was wird das neue Jahr bringen- wird es besser oder schlechter? Gehen Tod und Krankheit an mir vorbei? Wie geht es im Beruf weiter? Und privat: Werde ich viele Stunden der Freude und des Glücks haben dürfen? Und mein Glaube? Bleibt er mir auch im neuen Jahr wichtig? Kann ich ihn sogar vertiefen? Vorsätze formulieren wir hoffentlich nicht zu viele. Denn dann passiert meistens nichts. Das, was mir wichtig ist, mit neuer Motivation im Guten weiterzumachen, auf den Spuren Gottes zu gehen, auch wenn es manchmal Dunkel ist, reicht das nicht als Vorsatz?

Manchmal gibt es da so eine eigenartige Verbindung von Last und trotzdem weiterkommen in meinem Leben. Ich spüre, nicht nur die geraden Wege sind gut für mich, obwohl ich mir das immer wünsche. Ich spüre, auch der holprige Pfad, der Umweg, kann mich weiterbringen.

Unser Leben läuft in das neue Jahr hinein und alle unsere Beschwernisse auch. Welche Belastungen trage ich weiter, welche werden neu auf mich zukommen? Werde ich sie bewältigen? Habe ich Angst davor oder große Sorgen?

Hören wir vom Palmbaum:

Der junge Palmbaum befand sich in bestem Wuchs. Die Oase gab ihm, was er zum Leben brauchte Wasser, Nahrung und das Licht der Sonne. So freut sich der junge Palmbaum auf jeden neuen Tag, auf das neue Jahr. Doch eines Tages geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Jemand nahm einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem Lachen ging er weiter. Die Palme versuchte, die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich. Vergebens. Sie krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte. Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu erfreuen. Da senkte die kräftigste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte:' Ich muss dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht. '

Keiner von uns wünscht sich Belastung, wünscht sich ein Kreuz. Dennoch gibt es das in unserem Leben. Vielleicht kann uns der Blick ins neue Jahr   einen Zugang eröffnen, damit umzugehen; Hilfe zur Bewältigung zu entdecken. Einige kurze Stichworte zum Nachdenken dazu:

- die Lasten anderer mittragen können ist mir wichtig

- bei all meinem Tun Prioritäten setzen, also: was tue ich als erstes?

- meine Grenzen kennenlernen und annehmen

- die Gabe der Unterscheidung von Gut und Böse einüben

- Perspektiven im Leben suchen und finden

- sich durch Leid verwandeln lassen

- mit Hindernissen leben können und nicht aufgeben

- …

Ein solcher Palmbaum ist für mich ein Bild zur Jahreswende. Unsere Kraft bekommen wir dabei von unten: durch die Wurzeln. Solche Kräfte aus der Tiefe sind z.B.: Lebensfreude, Selbstwertgefühl, Geduld mit mir selbst, Vertrauen auf Gott, Liebe zum Nächsten, Hoffnung auf ein Leben miteinander, Glauben. Was kann ich tun um solche Kräfte in mir zu entwickeln oder weiterzuentwickeln? Auch für das neue Jahr. Trotz so vieler Schreckensmeldungen, trotz mancher Resignation werden wir vom Stein auf unserer Krone, von unseren Problemen herausgefordert. Welche Belastungen befürchte ich für 2017? Wie gehe ich damit um? Wir brauchen tiefe und feste Wurzeln, die uns für das wahre Leben Kraft geben, damit wir nicht verzagen.

Aus dieser Sicht gehe ich voll Zuversicht, Hoffnung und Freude in das neue Jahr des Herrn. Es wird nicht alles gelingen, vieles wird vielleicht gleich dem Stein in der Palmkrone als Last auf meinem Rücken liegen. Aber ich gehe voll Vertrauen: Gott lässt uns nicht allein.

Wir wissen alle nicht, was das neue Jahr bringen wird, aber wir haben einen Glauben, der uns Halt gibt, einen Gott, der uns stützt. Haben wir aber auch den Mut Gott wirklich zu vertrauen?

Niemand muss sich überfordern, aber ich wünsche uns, dass jeder das umsetzt, was er vom Evangelium, vom Glauben verstanden hat. Aus der Kraft des Glaubens auch im Neuen Jahr zu wirken, das erbitte ich für uns alle.

Machen wir uns auf, voller Zuversicht und voller Hoffnung als Glaubende und Suchende. Der belastende Stein den wir nicht abschütteln können- der in jedem Leben anders aussieht - kann uns stark machen. Wir gehen nicht allein ins neue Jahr. Menschen gehen mit uns und auch unser lebendiger Gott. Versäumen wir nicht, ihn zu feiern, in unserer Mitte, im Gottesdienst, in der Eucharistie. Gott ist da. Das macht mich froh.

Weitere geistliche Impulse zum Nachlesen und Stöbern im Archiv.

Foto: pixabay.com