Impuls der Woche

Im Hamsterrad?

Verfasser Ottmar Ottmar Dillenburg
Bundespräses


Von mir hängt alles ab, wenn ich nicht dabei bin, geht alles durcheinander, ich muss alles im Griff haben, Beruf, Karriere, Familie, Erziehung, Freizeit; alles und jedes muss durchorganisiert und geplant sein. Nur der Erfolg zählt, und den gilt es anzugehen, durchzusetzen, koste es was es wolle! Bei all dem drehe ich mich immer schneller in dem sprichwörtlichen „Hamsterrad“ und schnell bleiben dann Menschlichkeit und wirkliches Leben auf der Strecke. Wer ehrlich genug ist, wird auch um seine Grenzen wissen, die jeder hat und die es zu akzeptieren gilt.
Weiter ist festzuhalten, dass in unserem Leben nicht alles machbar und planbar ist. Vieles fällt mir zu wie ein Geschenk, dessen Inhalt und Erhalt ich nicht planen oder gar garantieren kann. Wir legen uns mit unseren eigenen allzu menschlichen Maßstäben oft eine Last auf, die schwer drückt und sich auf den Alltag auswirkt, sodass letztlich die so wesentliche Freude am Leben hinten anstehen muss. Dass man auch anders mit dem Blick auf sein Leben umgehen kann, wird uns in einer Anekdote aus dem Leben von Papst Johannes XXIII. berichtet, der zu Beginn seines Pontifikats unter der Last der Verantwortung seines Amtes sehr gelitten haben soll. Nachts träumte er, ein Engel sei ihm erschienen und habe ihn auf die Klage, wie sehr er unter den Belastungen leide, geantwortet: „Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“ Im Evangelium vom Aufgehen der Saat (Mk 4,26-34) geht es um eine ähnliche Thematik.
Provokativ ist das Gleichnis der selbst wachsenden Saat: „Nimm dich nicht so wichtig! Du wirst gebraucht, natürlich, du kannst und musst deine Fähigkeiten einsetzen, selbstverständlich, aber du musst nicht alles und jedes selbst im Griff haben. Die Erde bringt wie von selbst ihre Frucht. Das einzige, was der Mensch tun kann, ist warten.“ Diese Untätigkeit des Menschen steht im krassen Gegensatz zur Ernte, die am Ende in Aussicht steht. Vertrauen wir auf diese Zusage Gottes auch für unser eigenes Leben! Dieses Vertrauen hat nichts mit Faulheit zu tun, wohl aber mit der Gelassenheit und vielleicht auch mit dem Humor, um noch einmal an Johannes XXIII. zu denken und damit der Fähigkeit, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen.

Msgr. Ottmar Dillenburg
Bundespräses