Von Jesus werden Geschichten erzählt, die es in sich haben, die anders ausgehen als erwartet, die die bisherigen Maßstäbe in Frage, wenn nicht sogar auf den Kopf stellen. Da ist von Menschen die Rede, die eine Einladung aufschieben, bis es zu spät ist; von einem der hilft, obwohl er selbst in Gefahr ist und außerdem vom Hilfsbedürftigen, der unter normalen Umständen gemieden worden wäre. Von Menschen, die den ganzen Tag arbeiten und schuften, und es doch zu nichts bringen, während anderen das Glück nur so zufällt. Jesus verändert die Perspektive, lässt manches neu und ungewohnt sehen, regt die Menschen damit an und nicht selten auch auf. Und wenn es ernst wird, arrangiert er sich nicht mit dem, was vorteilhaft ist, sondern er bleibt seiner Botschaft, seiner Grundlinie treu. Dafür geht er sogar bis in den Tod. Nach diesem Jesus nennen wir uns Christen, sind Menschen, deren Leben ebenso manches in Frage stellen oder hinterfragen soll. Die nur das beim Alten lassen, was sich als gut und tragfähig erwiesen hat, ansonsten Neues denken und leben.
Im Evangelium (Mk 3,20-35) wird dies indirekt thematisiert. Man kann sich die Frage stellen, ob es von Seiten der Schriftgelehrten eine gezielte Kampagne war, Jesus bloßzustellen, wenn sie behaupten, dass er durch den obersten der Dämonen die Dämonen austreibt. Man darf sicher auch fragen, ob es die Sorge der Angehörigen Jesu war, dass er völlig in seiner Sendung aufgeht und dabei einfache menschliche Bedürfnisse außer Acht lässt, die sie zu ihm trieben und auf sich aufmerksam machen ließen. Jesus lässt sich weder auf die Kampagne ein, noch will er die Sorgen der Angehörigen außer Acht lassen, vielmehr stellt er das in den Mittelpunkt, was ihm wirklich wichtig ist: Die Erfüllung des Willens Gottes!
Allein diesem Ziel ordnet er sein ganzes öffentliches Leben unter, wählt die oben beschriebenen Wege, die anecken und zum Gespräch und zur Diskussion, aber eben auch zu Nachfolge und Nachahmung durch all die Jahrhunderte und Jahrtausende anregten. Jeder und jede von uns ist aufgerufen, einen je individuellen Weg der Nachfolge zu suchen und zu finden.
Adolph Kolping: „Seid das Abbild der göttlichen Liebe in eurem Kreis, dann werdet ihr euch einen heiligen Tempel der Dankbarkeit in den Herzen der Kinder errichten, der in Ewigkeit nicht einstürzt!“
(Kolping-Schriften 3, Seite 180)
Msgr. Ottmar Dillenburg
Bundespräses