Impuls der Woche

Der Herr und die Herde

Verfasser Ottmar Ottmar Dillenburg
Bundespräses


In biblischen Zeiten hatte das Bild vom Hirten einen realen und sehr deutlichen Hintergrund: Viele Vorfahren Israels waren Hirten von Schafen und Ziegen, Nomaden, die ein Leben zwischen Wüste und Kulturland führten. Der Beruf des Hirten war ein harter, anfordernder, mitunter gefährlicher Beruf. Krankheiten konnten die Herde befallen und dezimieren und damit die Lebensgrundlage der ganzen Familie zerstören. Wüstenräuber konnten Hirt und Herde überfallen und ausplündern, schließlich konnte ein Hirt sich auch in den Weiten der Wüste verirren und so mitsamt der Herde in Todesgefahr geraten. Der Wassermangel in der Wüste war neben Raubtieren zudem eine weitere ständige Bedrohung. So galt es für den Hirten, unter Einsatz seines Lebens die Herde zu führen und zu verteidigen. Es ist verständlich, dass in diesem Kulturkreis sich die Könige und Fürsten gerne den Beinamen „Hirt“ gaben und so war es ein sprechendes Wort, wenn Jesus von sich selbst sagt: „Ich bin der gute Hirt! Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“

Die Probleme für „Hirt und Herde“ sind heute andere als zur biblischen Zeit. Nichtsdestotrotz kommen bei vielen Menschen auch und gerade heute Ängste auf, auch apokalyptische Ängste und Visionen werden mit Blick auf die weltweiten wirtschaftlichen und finanziellen Problemen, ökologischen Desaster, Krieg und Terror weltweit beschrieben. Nicht wenige wissen, in unserer Zeit nicht mehr so recht, an wem oder was sie sich orientieren sollen, was richtig und falsch ist, welchen Weg die Welt nehmen soll, auf dass alle Menschen gut leben können. Meines Erachtens gilt es, dass wir in der Gemeinschaft unserer Kirche und weit darüber hinaus in Gemeinschaft mit allen Menschen guten Willens all unsere Ideen und positiven Visionen zur Gestaltung der Welt zusammentragen, um so im modernen Miteinander von Hirten und Herde einen guten Weg durch die Zeitläufe zu wählen und für die Kinder und Kindeskinder weiterhin die biblischen „Ruheplätze am Wasser“ sicherstellen.

Msgr. Ottmar Dillenburg
Bundespräses