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14.01.06

Ruhrbischof gibt Entscheidung für neue Pfarreienstruktur bekannt

259 Pfarrgemeinden werden bis 2008 zu 42 Pfarreien zusammengelegt.

Ruhrbischof Dr. Felix Genn hat seine Entscheidung zur neuen Pfarreienstruktur im Bistum Essen bekannt gegeben. In einem Bischofswort, das an diesem Wochenende (14./15. Januar) in allen Gottesdiensten des Bistums Essen verlesen wurde, informierte er die Gläubigen, welche Gemeinden die neuen Pfarreien bilden. Danach werden die bislang 259 Pfarrgemeinden im Ruhrbistum zu 42 Pfarreien zusammengelegt. Künftig werden 254 Kirchen als Gottesdienstorte genutzt, 96 so genannte “weitere Kirchen” werden aufgegeben; für sie wird es daher keine Zuweisungen aus Kirchensteuermitteln mehr geben. Die Umsetzung der neuen Pfarreienstruktur soll schrittweise bis Ende 2008 erfolgen.

Der Ruhrbischof rief die Gläubigen dazu auf, “sich ohne Vorurteile und Vorbehalte, aber mit allen Fähigkeiten und Kräften gemeinsam auf den Weg zu machen”. Genn: “Bringen Sie Ihren lebendigen Glauben in die neue Struktur ein. Nehmen Sie ihn mit in das neue gemeindliche Zuhause!” Die zukünftige Struktur, so der Bischof weiter, solle keine “Ordnung von oben und unten, von Christen erster, zweiter und dritter Klasse sein”. Vielmehr solle sie “ein lebendiger Organismus sein und ein Raum, in dem Menschen die Nähe des menschgewordenen Gottessohnes erfahren können”. Er sei sich bewusst, dass seine Entscheidung nicht von allen zustimmend aufgenommen werde. Sie werde manche Enttäuschung, vielleicht sogar Verärgerung und Verbitterung hervorrufen. Er vertraue und baue aber darauf, dass die Gläubigen in Gemeinschaft mit ihm, mit den Priestern und Diakonen sowie mit den pastoralen Mitarbeitern diese Entscheidung annehmen. Genn: “Ich bin zuversichtlich, dass wir im Ruhrbistum mit Gottes Hilfe den Weg in die Zukunft gemeinsam gehen können!”

Die neue Pfarreienstruktur ist Teil des Zukunftskonzeptes des Bistums Essen, das Ruhrbischof Felix Genn vor einem Jahr vorgestellt hat. Ziel des umfassenden Maßnahmenkataloges ist es, die Seelsorge in den Gemeinden des Ruhrbistums und den Dienst am Nächsten auch unter veränderten gesellschaftlichen, demografischen und finanziellen Rahmenbedingungen zu sichern und zu stärken.

Bei einem Pressegespräch am Samstag, 14. Januar, machte der Bischof deutlich, dass das Ruhrbistum angesichts der zurückgehenden Zahl von Katholiken und aktiven Priestern sowie drastisch gesunkener Kirchensteuereinnahmen zum Handeln gezwungen sei. Genn: “Wir müssen diese große pastorale Herausforderung annehmen und den Umbruch der Kirche aktiv gestalten.” Nur so könne die Kirche von Essen auch künftig ihren seelsorglichen Auftrag wahrnehmen, ihre missionarische Kraft entfalten und karitativ tätig bleiben.

Der Ruhrbischof betonte, dass seiner Entscheidung ein intensiver Beratungsprozess vorausgegangen sei. Aus fast allen Pfarrgemeinden hätten ihn Stellungnahmen erreicht. Sie enthielten Hinweise und Gesichtspunkte, die in seinem ersten im Frühjahr des vergangenen Jahres vorgelegten Vorschlag nicht oder nicht genügend berücksichtigt waren. So seien Korrekturen nötig und möglich gewesen. Dabei habe er erkennen können, wie groß die Betroffenheit mancher angesichts der bevorstehenden Veränderungen in den Gemeinden ist und wie sehr das Denken und Fühlen von Trauer, Angst und Sorge um die Zukunft geprägt sind. Zugleich hätten viele aber auch Verständnis für die einschneidenden Veränderungen gezeigt und die Bereitschaft, die Umstrukturierung als Chance zu begreifen, den Glauben in der Kirche von Essen neu zu beleben. Zustimmung und Kritik seien für ihn, so Genn weiter, “Zeichen eines lebendigen Engagements aus dem Glauben”, für das er als Bischof dankbar sei.

Kriterien für seine Entscheidung, wo die neuen Pfarreien errichtet und welche Gottesdienstorte erhalten werden sollen, seien unter anderem die Lage und Erreichbarkeit der Kirchen, die Größe der Gemeinden, die Infrastruktur und Bausubstanz des Gebäudes sowie das Alter der Kirche und ihre historische Bedeutung gewesen. Ausdrücklich machte der Bischof deutlich, dass weder die Lautstärke noch die Originalität vereinzelter Protestaktionen für seine Entscheidung maßgebend gewesen sei. Entscheidend seien für ihn allein die in den Gemeindevoten aufgeführten Argumente gewesen.

Der Bischof kündigte an, dass er, die beiden Weihbischöfe Franz Grave und Franz Vorrath sowie Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes in den kommenden Wochen alle Gemeinden, die zukünftig zu einer Pfarrei gehören, besuchen werden, um mit den Pfarrern sowie den stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden und den Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte die weiteren Schritte zur Umsetzung seiner Entscheidung zu vereinbaren. (ul)


Zitiert:

“Es ist das Ziel, dass wir als Kirche von Essen in den einzelnen Gemeinden und Gemeinschaften und auf den Feldern der Seelsorge eine Kirche bleiben, die ihren seelsorglichen Auftrag wahrnimmt, die ihre missionarische Kraft entfaltet, die hineinwirkt in den gesellschaftlichen und politischen Bereich dieser Region mit den ihr eigenen Strukturkrisen und sozialen Problemen, die caritativ tätig bleibt, in der es ehrenamtliches Engagement in voller Entfaltung wie bisher gibt, und in der es möglich ist, dass unsere Gemeinden geistliche Zentren werden. Wenn wir dieses Ziel in unseren Gemeinden verorten, sollen diese auch wirkliche Orte sein, die eine Anziehungskraft ausüben, so dass Menschen sagen: Hier leben katholische Christen. Da will ich hingehen.”

Stadtdekanat Wattenscheid

St. Gertrud

Im heutigen Dekanat Bochum Wattenscheid wird durch Aufhebung aller Pfarrgemeinden und Zusammenführung der entsprechenden Pfarrgebiete die neue Pfarrei St. Gertrud gebildet. Ihre Gemeinde gehört zukünftig zu dieser neuen Pfarrei, deren Pfarrkirche aufgrund der geschichtlichen Bedeutung, der Lage und des Alters die gleichnamige Propsteikirche in der Stadtmitte ist. Derzeit leben im Gebiet dieser zukünftigen Pfarrei 30.831 Katholiken.

Zur Gemeinde St. Gertrud wird zukünftig auch das Gebiet der heutigen Pfarrgemeinde St. Nikolaus gehören. Beide Gemeinden sind seit Jahren einer Kooperationseinheit zugeordnet und sollen nun zu einer Gemeinde zusammenwachsen. Die Kirche St. Nikolaus muss zu den so genannten „weiteren Kirchen“ gezählt werden, für die keine Kirchsteuermittel mehr zur Verfügung gestellt werden können und über deren zukünftige Verwendung noch zu beraten und zu entscheiden ist. Ich weiß um die vielen Eingaben, die vor allem von den Gremien und Gruppen aus dieser Gemeinde hier eingetroffen sind. Doch trotz der spürbaren Betroffenheit der Gemeindemitglieder habe ich nach Abwägung der vorgetragenen Argumente entschieden, bei der bisherigen Planung zu bleiben, weil die Entfernungen zu den Kirchen St. Gertrud und St. Maria Magdalena nicht sehr weit sind und deren Erreichbarkeit gut gegeben ist. Zudem wäre die Zahl der Kirchen in Wattenscheid sonst zu hoch und weder finanziell noch personell tragbar.

Neben der Gemeinde St. Gertrud finden sich folgende Gemeinden in der Pfarrei:

Herz Mariä in Günnigfeld und St. Johannes in Leithe. Wegen ihrer Lage am nördlichen bzw. westlichen Rand der Pfarrei sollen beide Gemeinden die Pastoral in ihren jeweiligen Stadtgebieten gestalten.

St. Joseph. Zu dieser Gemeinde soll zukünftig auch das Gebiet der heutigen Pfarrgemeinde St. Pius gehören, die geschichtlich jünger und kleiner ist als St. Joseph. Beide Gemeinden arbeiten bereits seit einiger Zeit in der Gestalt eines Pfarrgemeindeverbundes unter der Leitung eines Pastoralteams zusammen. Auf der Grundlage der dabei gesammelten Erfahrungen wird es jetzt sicher möglich sein, die Gemeinden zu einer Gemeinde mit dann 4374 Katholiken zusammenzuführen und so die Kräfte zu bündeln. Die Kirche St. Pius wird leider zu den so genannten „weiteren Kirchen“ zählen müssen, für die das Bistum keine Kirchensteuermittel mehr zuweisen kann und über deren zukünftige Verwendung noch zu beraten sein wird. Dieser Schritt schmerzt, ist aber wegen der Sparzwänge notwendig und mit Blick auf die Erreichbarkeit von St. Joseph sowie auch anderer Kirchen verantwortbar.

St. Marien. Dieser Gemeinde mit ihrer architektonisch interessanten Kirche und einer hohen Zahl an Gottesdienstteilnehmern ist mit der Kirche Herz Jesu in Sevinghausen eine Filialkirche zugewiesen, die wegen der dortigen Ordensniederlassung erhalten bleibt. Ebenso findet sich die alte und unter Denkmalschutz stehende Pilgerkapelle St. Bartholomäus auf dem Gebiet der Gemeinde.

St. Maria Magdalena. Die im Zentrum von Höntrop gelegene Gemeinde soll zukünftig mit der heutigen Pfarrgemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu zu einer Gemeinde zusammenwachsen. Mit dieser Entscheidung weiche ich von der bisherigen Planung ab, nach der in Eppendorf eine eigene Gemeinde zu finden sein sollte. Nach nochmaliger Überprüfung halte ich es aber aufgrund der mittlerweile gewachsenen Kooperationsbeziehungen der beiden Gemeinden und des damit verbundenen Erfahrungshorizontes nicht für zukunftsweisend und sinnvoll, den bestehenden Pfarrgemeindeverbund in der Weise aufzulösen, dass dadurch wieder zwei getrennte Gemeinden entstehen. Vielmehr soll der gemeinsame Weg unter der Leitung eines Pastoralteams weiter beschritten und jetzt noch intensiviert werden. Aufgrund ihrer Lage im Stadtteil Eppendorf und der Entfernung soll allerdings die Kirche „Theresia vom Kinde Jesu“ als Filialkirche der Gemeinde erhalten bleiben.

Zur Gemeinde St. Maria Magdalena soll zukünftig auch das Gebiet der heutigen, sehr kleinen Pfarrgemeinde St. Barbara aus dem Dekanat Bochum-Mitte gehören. Die Gemeindemitglieder von St. Barbara orientieren sich mehr nach Wattenscheid als zur Bochumer Innenstadt. Die St. Barbara-Kirche wird dann zu den sogenannten „weiteren Kirche“ zählen müssen.

Persönlich wichtig ist mir der Hinweis, dass mit meinen Entscheidungen zu den „weiteren Kirchen“ nichts ausgesagt ist über den Wert der pastoralen Arbeit und Bemühungen der heutigen Gemeinden an diesen Orten, die ich wertzuschätzen weiß. Mit einem herzlichen Dank an alle, die sich hier für die Gestaltung des gemeindlichen Lebens engagieren, verbinde ich die große Hoffnung, dass Sie sich mit gleicher Kraft auch unter anderen Bedingungen für eine lebendige und missionarisch wirksame Präsenz der Kirche in Ihrem Lebensraum einsetzen.

In den nächsten Wochen wird der Herr Generalvikar, einer der Herren Weihbischöfe oder ich selbst mit den Herren Pfarrern, den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden sowie den stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden der Pfarrgemeinden zusammenkommen, die zukünftig die neue Pfarrei bilden werden. Bei dieser Zusammenkunft können sicher noch einige Fragen besprochen werden, die in Ihren Voten angesprochen wurden, hier aber keine Beantwortung finden konnten. Nicht zuletzt geht es dann aber darum, nach vorne zu schauen, Perspektiven in den Blick zu nehmen und die jetzt anstehenden Schritte zu vereinbaren

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